Dreharbeiten


GerT Der Traum von ewigen Ferien
Unterwegs mit den Weltrekordreisenden

Das Tagebuch von VJ-Journalist Thomas Gerber.
Am 18. Oktober 1984 verlassen Liliana und Emil Schmid in einem Toyota Landcruiser ihren damaligen Wohnort Wallisellen. Die Wohnung und ihre Jobs haben sie gekündigt, Geld für die Reise auf die Seite gelegt. Sie wollen für ein, zwei Jahre auf Weltreise. Kanada ist das erste Ziel. Knapp zwanzig Jahre später: Die beiden sind immer noch unterwegs. 600'000 Kilometer haben sie zurückgelegt, 145 Länder besucht und alles in ihrem blauen Landcruiser. Das brachte die drei schon vor sieben Jahren ins Guinessbuch der Rekorde. Und noch ist kein Ende dieser Weltrekordreise abzusehen.
Dienstag, 23.3.04
Ueber uns schattenspende Palmen, unter uns der weisse Sand, vor uns das türkisblaue Meer, in der Hand eine Büchse Bier, auf dem Grill ein Kotelett: Das Gefühl von Freiheit und Abenteuer beschleicht mich. So also leben sie, meine Gastgeber für die nächste Woche, Liliana und Emil Schmid. Beneidenswert dieser Alltag, denke ich und freue mich auf das erste gemeinsame Picknick. Nach einer zweistündigen Fahrt über die Karibikinsel Guadeloupe wollen mir die beiden 62jährigen beim improvisierten Mittagessen aus dem Kofferraum von ihrem verrückten Leben erzählen.
Mittwoch, 24.3.04
Vorbei mit Dolce Vita. Schmids müssen ihre Weiterreise, das nächste Land organisieren. Das heisst, telefonieren, mailen, warten und beten. Die Mühlen der Administrationen mahlen in der Karibik anders als in der Schweiz. Seit Wochen schon warten Schmids auf eine Bestätigung für die Einreise auf die Nachbarinsel Dominica. Auch heute vertelefoniert Emil Schmid wieder Telefonkarte um Telefonkarte ohne Erfolg. Ich staune über soviel Hartnäckigkeit und ärgere mich über die ständige Warterei.
Donnerstag, 25.3.04
Jeden Abend müssen die Schmids ihr ganzes Hab und Gut auf den Vordersitzen aufeinanderschichten, damit sie sich im Hinterteil hinlegen können. Zwanzig Minuten brauchen sie für diese Umräumaktion – jeden Tag. Ich bewundere die Konsequenz, mit der die beiden ihre Reise, ihr unkonventionelles Leben durchziehen. Vom anfänglichen Neid allerdings ist nicht mehr viel geblieben.
Freitag, 26.3.04
Nach tagelangen Bemühungen fährt Emil Schmid seinen Toyota heute früh endlich auf die Fähre. Dominica wir kommen – und Dominica erwartet uns, zumindest die Schmids. Der Bürgermeister der Hafenstadt Roseau und Dominicas Tourismusministerin empfangen die Weltrekordreisenden mit viel Pathos. Zwei lokale Fernsehteams dokumentieren diese seltene Einreise. Allerdings nur den ersten, offiziellen Teil. Beim zweiten Teil, dem inoffiziellen, bin ich dann wieder alleine mit Schmids. Nach den warmen Begrüssungsworten am Pier ist der Ton bei den Zollbehörden wesentlich kühler, sachlicher. 1200 Franken verlangen sie noch zusätzlich für die Einreise. Emil Schmid tobt... zumindest innerlich. Für ihn, aber auch für seine Frau ist klar, das wird nicht bezahlt. Das Land 145 auf der Rekordreise ist ernsthaft gefährdet...


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