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Hier einige Reise-Eindrücke aus Sarawak,
der ostmalaysischen Provinz auf Borneo - Teil 2: Süden (Kuching)

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Karte von Südostasien

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 Sarawak

 

Malaysia

 

 

Weitere Seiten aus Borneo:

 

 

 

Die 'Grosse Höhle' der “Niah Caves” in
Sarawak beheimatet heute Fledermäuse
und kleine Schwalben, die hoch oben
essbare Nester bauen, von chinesischen
Gourmets hoch geschätzt .....
.....Vor rund 40'000 Jahren waren
sie noch von Menschen bewohnt
Ein unerwartetes Schauspiel am
späten Nachmittag: Wasserfall im
Innern der 60m hohen Höhle nach
einem heftigen Tropengewitter
 
Sarawak  - "Land der Hornbills (Hornvögel)""KUCHING" (Teil 2)
 

Alles ist so wunderbar familiär, als wir am 21.Oktober 2006, einem Samstag, nach unserer 10-tägigen Borneo-Reise durch Brunei- und Sabah wieder in Miri/Sarawak eintreffen. Chef Lau von der Werkstatt, wo wir vor einigen Wochen unseren alternden LandCruiser erfolgreich überholen liessen, empfängt uns mit derselben Freundlichkeit wie immer. Er weiss auch bereits Bescheid, dass noch einige kleinere Nachreparaturen anstehen, bevor wir definitiv nach Süd-Sarawak weiterreisen wollen. So dauert es nicht lange und seine bemerkenswerte Dynamik ist wieder überall spürbar. Innert weniger Minuten mobilisiert er all seine Werkstattkräfte, und schon wird an unserem LandCruiser an allen Ecken und Enden gearbeitet: Die undichte Frontscheibe wird mit Silikon abgedichtet, die defekte Kupplung repariert; Löcher für die Sonnenstorenstangen werden gebohrt und unsere altersschwachen „Stossdämpferchen“ an unserer Heckklappe durch modifizierte ersetzt. Alles läuft wunderbar reibungslos, und alles scheint überhaupt kein Problem zu sein, bis zum Moment, wo wir die Heizung ansprechen, die vom Heissluftaggregat (das nehmen wir wenigstens an) ständig an unsere Füsse bläst – nicht unbedingt das, was wir hier in den heissen Tropen brauchen! Etwas erschrocken blickt uns Mr. Lau an, um gleich darauf kleinlaut in seinem aufgeräumten Lager zu verschwinden. Wir glauben uns trifft der Schlag, als er kurz darauf verlegen mit zwei Teilen unserer alten Heizungsanlage zurückkommt. Wahrscheinlich verwünscht er diesen Moment zutiefst, denn jetzt muss er uns doch noch beichten, was er uns eigentlich verschweigen wollte: Nämlich, dass er die Heizung gar nicht mehr eingebaut hat, weil angeblich das mittlere Teil bereits beim Ausbauen fehlte! Obschon wir es nur schwer nachvollziehen können – das Gegenteil beweisen können wir ihm nicht. Denn eine winzige Möglichkeit besteht, dass das fehlende Teil auf der Strecke geblieben ist, als wir vor einigen Monaten in Kuala Lumpur unsere schon längst nicht mehr funktionierende Zusatzklimaanlage entfernen liessen.
 
 

Auf dem Rajang Fluss in Sibu laufen
Flussboote zu entlegenen
Urwaldsiedlungen aus
In Sarikei lassen sich tausende von
Schwälbchen auf Telefonleitungen
für die Nacht nieder .....
..... und bevölkern so dichtgedrängt ganze
Stadtgebiete. Ein Foto kann nicht die
Einmaligkeit dieses Phänomens zeigen.
Was treibt sie wohl dazu, in der
lärmigen Stadt zu übernachten?
 
 
Alles Rätseln und ärgern nützt nun aber nichts. Wir müssen handeln und entscheiden, ob wir nun die zwei vorhandenen sperrigen, aber immer noch funktionierenden Heizungselemente einfach aufs Dach laden sollen. Macht es überhaupt einen Sinn, soviel platzbrauchendes Mehrgewicht mitzuschleppen? Oder sollen wir uns davon trennen im Optimismus, dann schon etwas Passendes zu finden, sollten wir wieder einmal in kältere Regionen vordringen? Oder sollen wir die von Herrn Lau vorgeschlagene, zeitaufwendige Modifizierung der Heizung akzeptieren, wobei dann dabei das ganze Armaturenbrett mit all dem Kabelsalat wieder entfernt werden muss, nicht unbedingt das, was wir uns wünschen. Dazu haben wir nun echt keinen Bock mehr. Nach langem Hin und Her und nicht leichten Herzens entschliessen wir uns am Ende für die im Moment einfachste Lösung – sie hier in Miri zurückzulassen! „Was schulden wir Ihnen noch?“ fragen wir Mr. Lau, als damit alle Nachreparaturen erledigt sind. „No need“ (nicht nötig) heisst es. Stattdessen lädt er uns zusammen mit seinen Mechanikern noch zu einem malaysischen Abschiedslunch in ein gemütliches Gartenrestaurant ein. Bei knusperigem, aber fettem Schweinefleisch, Huhn und Gemüse und viel Tiger-Bier vom Fass vergessen wir das Heizungsintermezzo schon bald und stossen auf unser nun trotz allem erfolgreich abgeschlossenes „Verjüngungsabenteuer“ unseres LandCruiser an.
 
 

Im Hafen von Sibu laufen verschiedene
Flussschiffe in alle Himmelsrichtungen aus.
So mag früher Manaus im Amazonas
in Brasilien ausgesehen haben
Im Similajau Küsten-Nationalpark
in der Nähe von Bintulu offenbart sich
uns eine friedliche Abendstimmung
Eine mystische Stimmung umgibt uns
bei unserer Mittagsrast am
Lupar Fluss in Sri Aman
 
 
Mitte Morgen des 24. Oktobers kehren wir nun Miri endgültig den Rücken und ziehen zügig südwärts. Es ist ein Feiertag – "Hari Raya Aidilfitri", der das Ende des moslemischen Ramadan Fastenmonats bekundet. Mit uns sind auch viele Grossfamilien zu einer der Hauptsehenswürdigkeiten Sarawaks unterwegs – zu den imposanten Niah-Höhlen, heute ein Nationalpark. Beim Besucherzentrum führt uns erst ein kleines Boot über den schmalen Niah-Dschungelfluss, bevor wir durch vermoderte, reparaturbedürftige Holzstege zu den drei Kilometer entfernten Höhlen vorrücken. Entlang des Weges entdecken wir immer wieder Neues aus der faszinierenden Dschungelwelt: Mal sind es wahre Kunstwerke an gewundenen Lianen, dann bunte Schmetterlinge, mal feuerrote, tassenförmige Pilze oder ganze Familien intensiv rot leuchtender Tausendfüssler, die hauptsächlich auf dem Steggelände herum kriechen. Wer hat da noch Lust, dort Halt zu suchen? Versteckt im Dschungel, öffnen sich uns dann die Höhlen, die vor rund 40'000 Jahren noch von Menschen bewohnt wurden. Heute sind sie das Zuhause von Fledermäusen, die den reichhaltigen Guano Dünger liefern, und von Tausenden von Schwälbchen, die mit ihrem Speichel essbare Vogelnester bauen, die für viele Chinesen als eine vielgepriesene Delikatesse gelten. Sie werden mit US$1'100 das Kilo gehandelt (für ein Kilo gute, saubere Qualität braucht es 30-40 Nester). Da wundern wir uns auch nicht mehr über den bewundernswerten Mut der furchtlosen Sammler, die in schwindelerregenden Höhen der Haupthöhle klettern, um dieses kostbare Gut zu ernten. Als Leiter dienen ihnen massive, zusammengebundene Bambusstangen, genannt „Belian“, die am Höhlengewölbe hängen. Was ist denn an diesen Vogelnestern so speziell, erkundigen wir uns. Es ist der getrocknete Speichel, dessen Produkt zur berühmten „Birdsnest“-Suppe verarbeitet wird, nachdem durch Einweichen alle Federn und Unreinheiten beseitigt worden sind. Eine Schale Suppe soll zwischen US$45 und 65 verkauft werden, je nach Qualität. Vielleicht ist deshalb auch ein Funke Wahrheit an den Gerüchten, dass es Leute gibt, die vorbeifliegende Schwälbchen mit Vogelruf-Kassetten anzulocken versuchen in der Hoffnung, dass sie in ihren Hausnischen brüten werden – offensichtlich ein sehr erträgliches Geschäft!

 

Moderne Hotelbauten prägen das Bild
von Sarawak’s Hauptstadt Kuching .....
..... doch im alten Stadtteil findet man
auch noch ursprünglichen Charme .....
..... und die Kuching Moschee, die mit ihren
goldenen Domen den Blick auf sich lenkt
 
 
Am frühen Nachmittag sind diese kleinen “Schatzbringer“ noch auf Nahrungssuche, und wir widmen uns den meistens rot-grün-weiss farbigen Stalagmiten und Stalaktiten in bizarrsten Formen. Einige Ecken wirken surreal – wie eine gemalte Märchenlandschaft. Und als draussen ein heftiger Tropenregen niederprasselt und im Innern deswegen ein sanfter Wasserfall nieder plätschert, können wir uns vom zauberhaften Anblick kaum mehr los reissen. Erst gegen Abend, als die sanften Rufe der Schwalben ertönen, die langsam zu ihrem Nistplatz zurückkehren, machen auch wir uns auf den langen, durch den Regen nun sehr glitschig gewordenen Rückweg und verbringen die Nacht auf dem Nationalparkgelände, wo uns bis zum Morgengrauen ein dröhnendes Froschkonzert begleitet. Am nächsten Morgen folgen wir weiterhin der neuen, einsamen Küstenstrasse in südlicher Richtung. Automatisch drängt sich die Geschichte einer Familie aus Brunei in unsere Gedanken, die erst kürzlich genau auf dieser Strecke überfallen und ausgeraubt wurde. Ein Personenwagen rammte von hinten ihr Auto, und als sie ausstiegen, um den Schaden zu inspizieren, tauchten maskierte Männer auf, die sie allem entledigten, inklusive ihrem Auto. Ohne Paranoia zu haben, gibt es uns doch zu denken, während wir an weiten Gebieten frisch gerodeten Regenwaldes entlang fahren, wo die verkohlten Baumstrünke gespenstisch in den Himmel ragen und stumme Zeugen des Raubbaus an der Natur sind – nur weil Palmöl-Plantagen mehr Geld abwerfen. Umsomehr freuen wir uns immer wieder beim Anblick wild blühender lila Orchideen auf hohen Grasstengeln entlang des Weges. Als wir einige Kilometer vor dem modernen Hafen von Bintulu von der Hauptstrasse auf die Stichstrasse zum Similajau Küsten-Nationalpark Richtung Meer abzweigen, gibt es ganze Wälder davon.

 

Eine verdiente Ruhepause an
Kuching’s Wasserfront nach
einem Einkaufsbummel
Das 1879 gebaute Fort Margherita
am Ufer des Sarawak Flusses
wachte einst über der Hauptstadt
Der reichverzierte chinesische Hong
San Tempel trägt zum vielseitigen
Charme der Hauptstadt bei
 
 
Die Feststimmung ist noch voll im Gange, als wir dort am Strand eintreffen: Halbwüchsige Burschen tanzen ausgelassen miteinander und Grossfamilien picknicken auf einer Matte im Sand – es ist der zweite Tag des "Hari Raya Aidilfitri" Festes. Doch noch bevor es eindunkelt, verziehen sie sich und es wird still um uns herum. Eine angenehm kühlende Meeresbrise kommt auf. Wir schlendern dem muschellosen, aber mit Blättern und Baumstämmen bespickten Strand entlang, bis uns an der Flusseinmündung eine Warntafel „Achtung, Salzwasserkrokodile“ abrupt zum Stoppen bringt. Im nachhinein lesen wir im Lonely Planet Reiseführer, dass hier im Jahre 2002 tatsächlich drei Einheimische gefressen wurden. Schnell kehren wir um. Wir setzen uns auf einen Baumstamm und betrachten das immer wieder faszinierende Spiel der untergehenden Sonne, welche heute den aufgebauschten Kumuluswolken draussen im Meer immer wieder neue Farbnuancen verleiht. Gleichzeitig funkeln die Fackeln der Ölraffinerien im nahen Bintulu.

 

Im Gunung Gading Nationalpark
entdecken wir diese „kuheuter-
ähnlichen“ Termiten-Nester .....
..... und die Rafflesia-Blume, die sehr
seltene und grösste Blume der Welt.
Sie kann bis zu einem Meter
Durchmesser erreichen und braucht
bis zu 15 Monaten bis zur Reife,
blüht aber nur 4 oder 5 Tage
Die weitverstreute „Spider-Lily” ist
eine der delikaten Blumen, die
wir besonders mögen
 
 
Zwei Tage später trennen wir uns von dieser Idylle und ziehen wieder weiter südwärts, Richtung Sibu. Wir überqueren viele kleinere Brücken, die uns infolge ihrer unsanften Auf- und Abgänge stets zum Verlangsamen zwingen, uns dafür aber meistens einen verheissungsvollen Blick auf die kleinen, träge dahin fliessenden Urwaldflüsse öffnen, die ganz Sarawak durchziehen. Sie haben alle etwas Geheimnisvolles an sich – ein bisschen heile Welt im Gegensatz zu den grossen schiffbaren Flüssen, an dessen Ufern überall Berge von aufgestapelten Baumstämmen lagern und auf den Abtransport oder auf die Verarbeitung in einer der nahen Holzverarbeitungsfabriken warten. Sibu überrascht uns mit einem heftigen Tropenregen, der uns jegliche Sicht raubt und den Verkehr und uns für mehr als eine Stunde lahm legt. Erst als sich der Himmel wieder lichtet, erkennen wir den grossen Charme dieser lebhaften Stadt am Rajang Fluss mit seinen Flussboten, die kommen und gehen, dem 100 Jahre alten chinesischen Tua Pek Kong Tempel mit seiner 7-stöckigen Kuan Vin Pagoda, von dessen Turm aus wir einen herrlichen Rundblick geniessen. Hier drängen sich nun auch vermehrt Kirchen ins Blickfeld, und der chinesische Einfluss ist spürbar stärker, was sich auch dadurch bemerkbar macht, dass die Strassen nun dreisprachig angeschrieben sind: Auf Malaysisch, Chinesisch und Englisch.

 

Im Semenggoh Naturreservat
Rehabilitationszentrum in der Nähe
von Kuching sind sich die Orang Utan
an die Menschen gewöhnt. Was
gibt es wohl in dieser Mülltonne?
Diese Bananen sind mir sicher
Sieht es nicht allerliebst aus,
dieses Orang Utan Kind?
 
 
Nur 70 km weiter, bringt uns ein kurzer Abstecher nach Sarikei, wie Sibu auch noch am Rajang Fluss gelegen, wo wir einen wundervollen Empfang erleben. Es ist ein friedlicher Sonntagnachmittag, als wir uns an der kleinen, fast menschenleeren Uferpromenade auf eine Steinbank setzen und die prachtvollen, bunten Fassaden alter Handelshäuser bestaunen, welche die Hafenfront schmücken, und wo abenteuererweckende kleine Boote zu entlegenen Urwaldsiedlungen auslaufen. Jedes Mal, wenn auf der anderen Flussseite plötzlich wieder eines dieser Boote aus einem der Nebenflüsse des unergründlichen Regenwaldes auftaucht und näher kommt, flammt ein Hauch von Fernweh in uns auf. Aus welchem vergessenen Langhaus kommt es wohl her? Wie mag es dort wohl aussehen? Die Menschen, die aussteigen, bringen vielfach Gemüse für den Markt; die Menschen, die einsteigen, schleppen überquellende Taschen und Tüten mit Dingen des täglichen Gebrauchs an Bord. Erinnerungen an unsere Fahrt im April 1988 von Manaus nach Puerto Velho auf dem Amazonas werden plötzlich wieder lebendig. Wie schön war es doch damals mit unserem LandCruiser während der fünftägigen Flussfahrt auf der Brücke eines Lastwagens, als das Urwaldgeschehen mit all seinen Geräuschen und Geheimnissen Tag und Nacht an uns vorbei zog. Einen kleinen Moment spielen wir mit dem Gedanken, eines dieser Flussboote zu besteigen, verwerfen ihn aber im nächsten Moment gleich wieder, weil wir diesmal unseren LandCruiser zurücklassen müssten – eine Idee, die uns nicht behagt, zu sehr sind wir heute mit ihm verwurzelt, zu sehr hängen wir an allem Komfort, den er uns bietet. Aber das Risiko des Zurücklassens ist uns zu gross, denn wie leicht könnte er bei der Rückkehr ausgeräumt sein. Als die Sonne sich hinter den Baumkronen verabschiedet und den Fluss samtig schwarz erscheinen lässt, ziehen wir uns ins Stadtzentrum zurück, um gleich Zeuge eines anderen, neuen überwältigenden Anblicks zu werden.

 

Die Wunder der tropischen Welt:
Eine exoische „Kugelfrucht“ .....
..... eine „Pitcher Plant“ – die
fleischfressende Pflanze bestehend
aus Fangkelch und Deckel. Mit
ihrem süsslich riechenden Nektar
lockt sie Insekten an und schliesst
dann den Deckel, sobald sie sich
darin verfangen haben .....
..... sie kommen in allen Grössen
und Farben vor. Die grössten
können bis zu 3½ Liter
Flüssigkeit fassen
 
 
Inmitten des Strassenlärms und der gleissenden Neonlichter haben sich überall Tausende von Schwälbchen dichtgedrängt auf den Stromleitungen niedergelassen; ihre weissen Brüstchen leuchten im Schein der vielen Lichter gegen das Dunkel der Nacht. Und immer noch herrscht reger Betrieb, versuchen Nachzügler sich in die geordnete Linie zu quetschen, was ihnen aber nur selten gelingt. Was bewegt sie wohl dazu, lärmige Städte während des vollen Abendverkehrs zu bevölkern? Der Verwalter der Methodisten Kirche, der uns freundlicherweise gegen eine kleine Spende ein komfortables Gästezimmer und einen sicheren Parkplatz auf seinem Gelände offerierte, weiss auch keine Antwort darauf, erzählt uns aber, dass dies erst der Auftakt der Invasion sei. Im Dezember soll es noch weit geschäftiger zu- und her gehen, dann soll die ganze Stadt mit Kot verschmutzt sein. Am nächsten Morgen hat uns der uns bis anhin gutgestimmte Wettergott wieder verlassen, als wir Richtung Kuching weiterziehen. Der Wind bläst – wie zuvor schon in Sabah – den Rauch der illegalen Abbrennungen im nachbarlichen Indonesien und der eigenen malaysischen Rodungen erneut über die Ebenen und lässt die ganze Umgebung um uns herum in einem tristen Grau erscheinen. Trotzdem unternehmen wir nochmals einen kleinen Abstecher, diesmal nach Sri Aman. Er bringt uns aber nicht besonders Glück: Erstens ist die Sicht dermassen schlecht, dass wir kaum das andere Flussufer erblicken. Zweitens bleibt das interessante Ereignis der Springflut aus, die periodisch den Fluss herauf jagt und alles mitreisst, was im Wege steht. Und drittens bekommen wir Ärger wegen einer jungen Mopedfahrerin, die zu nah aufschliesst. Emil will gerade auf einen freien Parkplatz einschwenken, muss dazu aber nochmals einen Meter zurücksetzen, als es hinten kracht und es Scherben gibt. Als wir aussteigen, blickt uns aus dem toten Winkel ein junges Mädchen mit einem lila Moped, dessen vorderer Plastik-Kotflügel zerbrochen ist, verstört entgegen. Pech, aber sie schloss zunahe auf und ganz genau in der Mitte unseres Autos, sodass Emil sie in den beiden Aussenspiegeln nicht sehen konnte. Ein erster Augenschein zeigt, dass es gottlob kein grosser Sachschaden ist, und wir haben ja eine Versicherung abgeschlossen.

 

Auch Wildschweine durchstreifen
die Wälder Borneo’s .....
..... und es gibt Pilze in verschiedensten
Farben und Grössen .....
..... und Ameisen so gross
wie eine Fingerspitze
 
 
Das ist ja alles gut und recht. Aber für die Versicherung brauchen wir erst einen Polizeirapport, was wir dem Mädchen, das kein Englisch versteht, klar machen wollen. Es hängt sich ans Telefon und kurz darauf bekommt es Schützenhilfe von ihrer Mutter, die wenigstens ein paar Brocken Englisch spricht. Wir einigen uns, dass wir zu viert zum Polizeiposten fahren werden und packen die Mutter in unser Auto. Natürlich versteht dort wieder niemand ein Wort Englisch. Erst der Chef, der von irgendwoher aufgeboten wird, nimmt sich unser an. Er erklärt uns klipp und klar, dass jeder Polizeirapport zuerst mal Ringgit 300 (ca. Fr. 100) kostet. „Wie viel kostet denn die Reparatur selbst“, wollen wir wissen. Während wir uns mit dem Chef über die Schuldigkeit unterhalten, will sich das Mädchen bei ihrem Onkel, der eine Reparaturwerkstätte betreibt, darüber erkundigen. Als wir den Betrag von Ringgit 80 hören, sind wir natürlich sehr erleichtert und schnell bereit, eine Einigung zu finden. Dem Mädchen, sozusagen als Lektion für ihr zu nahes Aufschliessen, werden Ringgit 30 aufgebrummt, und wir bezahlen den Rest. Mehr als froh, dass es so glimpflich abgelaufen ist, schütteln wir allseits Hände. Dann hält uns hier nichts mehr, und gegen Abend begrüsst uns bereits Kuching, die Hauptstadt Sarawaks.
 
 

Im „Cultural Village“ in Damai bekommen
wir Einblick in die ethnischen Stämme von
Sarawak: Ein Junge des Penan Stammes,
eines der letzten wahren nomadischen
Völker Sarawak, begrüsst uns
Die Brücken werden geschickt
aus Bambus gebaut
Das geräumige, luftige
Bidayuh Langhaus
 
 
Kuching, was auf Malaysisch „Katze“ heisst, liegt entlang des Sarawak Flusses. Die vielen neuen Hotelbauten, die das Flussufer säumen, lösen bei uns nicht gerade "Liebe auf den ersten Blick" aus. Doch – nicht zuletzt auch dank unserer guten, wenn auch etwas lärmigen Unterkunft – gefällt es uns mit jedem Tag besser. In der Diözese der St. Thomas Kathedrale finden wir ein luftiges Zimmer mit vier Betten, WC/Dusche und einer angegliederten funktionierenden Küche mit Gaskocher. Und schon bald stellt Emil auch fest, dass wir auf unserer Holzveranda Wireless Internet-Zugang eines nahe gelegenen Cafes kriegen. Der Preis von Ringgit 30/Tag (SFr.10) stimmt für uns, unseren LandCruiser wissen wir vor dem Haus sicher parkiert, und zu Fuss sind wir in ein paar Minuten im Stadtzentrum – auf dem farbenfrohen Markt, am Flussufer, in der Altstadt, in der Fussgängerzone, im interessanten Sarawak-Museum oder in den modernen Supermärkten und Einkaufszentren. Unser Lieblingsplatz wird dann aber doch noch die moderne Flusspromenade – besonders gegen Abend, wenn die flachen Strahlen der untergehenden Sonne die Landschaft verzaubern. Der Blick ans andere Flussufer zum Fort Margherita und zum Astana, dem heutigen Wohnsitz des Gouverneurs, ist dann besonders schön. In diesen kühleren Tagesstunden ist hier auch immer was los. Unter den vielen Spaziergängern entdecken wir viele jugendliche Gruppen. Auch eine diskrete Polizei-Präsenz macht auf sich aufmerksam. Wir beobachten nicht nur einmal, wie die Ordnungshüter einzelne Halbwüchsige heraus picken und gründlich abtasten. Ein langbärtiger, alter Mann sitzt immer auf derselben Bank, wo auch „Gambir“ verkauft wird – ein Extrakt aus Blättern und Rinden des Regenwaldes, das medizinische Wirkung gegen alle Arten von Beschwerden haben soll. Eines Tages spricht er uns an und erzählt uns seine ganze Lebensgeschichte. Er stammt aus Hamburg, besass hier einmal zwei florierende Kneipen, ist heute aber bankrott, nachdem sein lokaler Partner, der mit 51% daran beteiligt war, mit dem ganzen Geld abgehauen ist. Seine Frau, so erzählt er uns weiter, soll mit 42 Jahren in Deutschland an Krebs gestorben sein. Wir haben schon zu viele solcher „Schicksale“ gehört und sind daher nicht besonders überrascht, als er uns am Schluss um Geld angeht. Da passen wir, denn für Europäer, die im Ausland betteln, haben wir weder Verständnis noch Erbarmen.

 

Diese Frau des Iban Stammes führt
uns in die Kunst des Webens ein
Das mit bunten Motiven bemalte
Stelzenhaus des Orang Ulu Stammes .....
..... und ein Stammesangehöriger, der
für uns auf einer Mandoline spielt
 
 
Draussen zieht gerade ein heftiges Gewitter vorbei, als wir das indonesische Konsulat aufsuchen, wo wir hoffen, endlich (nach über sechs Monaten Wartezeit) die Einreisebewilligung für das Auto zu kriegen, die von Interpol Jakarta über die indonesische Botschaft in Kuala Lumpur zum Konsulat in Kuching gesandt wurde. Nachdem wir den Konsul schriftlich informiert haben (!), weshalb wir überhaupt hier sind, heisst es erst einmal warten und nochmals warten. Nach rund vier Stunden tut sich endlich etwas. Wir werden aufgerufen, und man will die Chassis- und Motorennummer des LandCruisers persönlich überprüfen, was für uns heisst: Wir haben es geschafft! In diesem Moment durchströmt uns ein grosses Glücksgefühl. Dass wir für das kostbare Papier noch Ringgit 60 hinblättern müssen, kann unserer Freude keinen Abbruch mehr tun. Als Einreise-Datum hatten wir den 15. November festgelegt. Heute ist erst der 1. November – es bleibt uns also noch genügend Zeit, um den Rest des südlichen Sarawaks zu erforschen.

 

Die Tänze im „Cultural Village“ in Damai
stellen Szenen aus dem täglichen Leben dar
Eine Schönheit des Iban Stammes
im traditionellen Festtagskleid .....
..... und ein Krieger des Iban Stammes
bei einer Tanzvorführung
 
 
Der Zufall will es, dass wir genau an dem Tag im Touristenbüro einen genauen Stadtplan besorgen wollen, als ein neuer Anschlag angebracht wird, der in grossen Buchstaben auf die zurzeit im Gunung Gading Nationalpark blühenden zwei Rafflesia-Blumen – die grösste und eine der rarsten Blumen der Welt – aufmerksam macht. Wir werden ganz kribbelig, denn genau diese Chance haben wir vor nicht allzulanger Zeit in Sabah verpasst. Die eine soll einen Durchmesser von 75 cm aufweisen und bis zum 11. November in Blüte sein, der kleineren mit 45 cm gibt man nur noch eine Lebensdauer bis zum 8. November, und heute haben wir den 6. November. Da heisst es, keine kostbare Zeit zu verlieren. Gleich am nächsten Tag fahren wir los. Je weiter wir uns von der Stadt entfernen, desto ländlicher und schöner wird die Landschaft. Die Sonne scheint, und wir haben ein herrliches Ziel vor uns – wir sind in absoluter Hochstimmung. Beim Ort Bau erwischen wir die falsche Abzweigung, was wir erst ahnen, als wir auf Richtungsschildern Namen lesen, die an bzw. über der indonesischen Grenze liegen. Beim zweiten Polizeihäuschen bestätigen uns die zwei Uniformierten, dass wir uns verfahren haben. Wir wenden. Diese fünf Kilometer waren jedoch die schönsten. Der Regenwald ist hier noch ursprünglich und dicht, und dazwischen erheben sich bewaldete bizarre Felsen gegen einen stahlblauen Himmel. Diese Üppigkeit ändert sich dann aber leider schlagartig wieder, sobald wir auf die richtige Strasse gegen Lundu einschwenken – es wird zunehmend trockener und staubiger.

 

Eine mystische Abendstimmung
hängt über Kuching
Die Pagoden des Muara Tebas
Tempels in Muara muten wie
ein chinesisches Gemälde an
Die Fischerboote in Muara – in der
Nähe des Bako Nationalparkes –
liegen bei Ebbe auf dem Trockenen
 
 
Kurz nach Mittag treffen wir beim Nationalpark-Besucherzentrum ein, das wunderbar ruhig am Waldrand gelegen ist. Zwei ältere Paare, die französisch sprechen, kommen eben mit einem Parkhüter von ihrer Besichtigungstour zurück. Der wird wohl kaum Lust haben, das ganze gleich nochmals durchzuexerzieren, denken wir. Auf einem Anschlagbrett lesen wir, dass es 20 Gehminuten bis zu den Goliath Rafflesias sind. „Dürfen wir alleine, ohne Begleiter, losziehen“, fragen wir gespannt. Die freundliche Parkwärterin setzt sich gleich an ihren Computer und drückt uns einen Plan aus. Mit zwei dicken Punkten markiert sie den Ort, wo wir sie in der Nähe des Gehsteges finden sollten. Jetzt wird es richtig spannend. Es ist wie eine Schnitzeljagd – wer von uns beiden kommt zuerst ans Ziel? Plötzlich ruft Emil in seiner trockenen Art: „Komm hierher!“. Eigentlich überrascht es mich nicht, dass er der Sieger ist. Schon immer hatte er eine spezielle Nase und Logik für solche Dinge. Es ist die kleinere, die er zuerst findet. Sie liegt wie ein Kohlkopf – so soll sie auch aussehen, bevor sie blüht – auf dem feuchten Waldboden neben einem morschen Baumstamm und leuchtet in einem tiefen Rot. Obwohl wir sie schon oft auf Prospekten und Postkarten bewunderten, sind wir doch überwältigt von deren Grösse, Schönheit und Einmaligkeit. Die zweite ist noch grossartiger und das Rot ist noch intensiver. Das Erstaunliche an dieser blätterlosen Blume ist, dass sie bis zu 15 Monate Reifezeit braucht, dann aber nur 4-5 Tage blüht, bevor sie wieder stirbt. Gleich daneben entdecken wir ein eigenartiges graubraunes Termitennest. Es sieht aus wie aneinandergereihte grosse und kleine Kuheuter. Dann gibt es die grünen runden „Kirschen“, die direkt aus dem Baumstamm wachsen, wie wir sie erstmals in Hong Kong gesehen haben, und eine Menge gewundene Lianen und leuchtende Bromeliten. Der ungezähmte Urwald ist für uns immer wieder faszinierend und nie ermüdend in seiner Vielfalt an Pflanzen und Leben. Es geht schon gegen Mitte Nachmittag – gerade noch Zeit, um am nahen Siar Strand einen kleinen Imbiss zu uns zu nehmen, bevor wir die 100 Kilometer gute Strasse nach Kuching wieder unter die Räder nehmen.

 

Auf dem Sonntagsmarkt in Kuching:
Eine Pracht an Farben für das Auge .....
..... roter Chili – wegen der Schärfe nicht
unbedingt für westliche Gaumen .....
..... und Bananen in verschiedenen
Grössen und Aromen
 
 
Nur 35 km von der Hauptstadt entfernt liegt das „Cultural Village“ in Damai, gruppiert um einen kleinen See am Fusse eines dicht bewaldeten Hügels. Gleich nach der Mittagszeit haben wir dieses lebende Museum für uns allein, als wir uns über die abenteuerlich gebaute Bambusbrücke zu unserem ersten Langhaus – dem Bidayuh – aufmachen. Stammesangehörige begrüssen uns in ihrer traditionellen Tracht. Sie sind von sanftem Wesen, sehr freundlich und zeigen uns bereitwillig ihre grossen, luftigen Räume. Sehr angenehm überrascht sind wir vor allem von der Geräumigkeit, Zweckmässigkeit und Einfachheit der Einrichtung, aber auch von der angenehmen Kühle, die dort herrscht. Angegliedert ist eine Hütte aus Stroh, die als Versammlungsraum gilt. Plötzlich dringen von dort rhythmische Trommelschläge an unser Ohr. Wir kommen gerade zur rechten Zeit, als die hübschen Mädchen in ihrer wunderschönen Festtagstracht einen Tanz vorführen. Wir machen uns keine Illusionen – es ist ihr Job, und dafür werden sie auch bezahlt. Trotzdem gefällt es uns. Ähnlich spielt es sich im Iban Langhaus ab, demjenigen des legendären Krieger- und Kopfjäger-Volkes Bornes (2/3 der Sarawaker sind vom Stamm der Iban), wo uns zwei Frauen auf Webstühlen in die Technik des Webens einweihen. Wir schauen ihnen zu, wie sie mit flinken Händen Goldfäden zu dekorativen Stoffbahnen verarbeiten. Taschen aus Reisteig brutzeln in einer andern Ecke des Langhauses und verbreiten einen herrlichen Duft, der auch uns dazu verleitet, welche für nur 1 Ringgit das Stück zu kaufen.

 

Getrocknete Bohnen, Gewürze und Pilze.....
.....ein buntes Durcheinander .....
..... Ginger, Chile, Bohnen .....
 
 
Speziell ist die Behausung der nächsten ethnischen Gruppe, der scheuen Penan, des letzten wahren nomadischen Volkes Sarawaks. Noch heute gehen Angehörige dieses Stammes in den dichten Wäldern Zentralborneos ihrem traditionellen Lebensstil nach. Wie eh und je ziehen sie frei herum, jagen Wildschweine und Vögel und errichten sich aus Bambus und Blättern temporäre, einfache Unterschlüpfe in Nähe wilder Sago Bäume, die ihre Hauptdiät darstellen. Dort bleiben sie solange, bis diese Nahrungsquelle versiegt ist. Hier begrüssen uns zwei junge Männer. Sie sind tätowiert und nur mit einem schwarzen Lendenschurz bekleidet. Einer führt uns ein Blasrohr vor – das Bambusrohr mit dem Speer, womit die wilden Tiere erlegt werden. Der andere malt mit schwarzer Farbe kunstvolle Motive auf ein Viereck aus Baumfasern. Die nächste Behausung, diejenige des Stammes der Orang Ulu, gefällt uns mit ihren hohen bunt bemalten Stelzen und den wunderschönen Wandbemalungen am besten. Vier junge Mädchen mit bodenlangen schwarzweissen Röcken kommen uns auf der Treppe entgegen; sie sind bereits auf dem Weg zum Theater, wo in Kürze die Tanzvorführungen beginnen. Einzig ein Junge im Lendenschurz, der auf einer Mandoline spielt, hält noch die Festung. Wir bestaunen all die feingeflochtenen Körbe, die an den Wänden hängen, und all die einfachen Tontöpfe und Kochutensilien, die fein säuberlich am Boden aufgereiht sind. Das grosse Haus der Melanau, die als furchtlose Seefahrer und geschickte Fischer bekannt sind, liegt bereits verwaist da. Wie überall, besteht auch hier die Treppe aus einem wuchtigen Baumstamm mit herausgesägten Tritten. Für das schön geschnitzte malaysische Stadthaus, das mit seinen kleinen Fenstern und bunten Vorhängen eher westlich anmutet, und für das chinesische Farmhaus, wo uns die Herstellung der Schwalbennest-Suppe und der Unterschied des weissen und schwarzen Pfeffers erklärt wird (der weisse wird zwei Wochen lang in Wasser eingelegt), bleibt uns kaum mehr Zeit. Denn die Theatervorstellung beginnt pünktlich. Kaum nehmen wir Platz im gut besuchten Theater, schweben die jungen Mädchen auch schon wie Elfen über die Bühne und bezaubern uns mit ihrer Anmut und ihrem Liebreiz. Die Tänze stellen alle Szenen aus dem täglichen Leben dar: Die Orang Ulu zeigen eine Willkommensdarbietung für Gäste in ihrem Langhaus; die Melanau eine Todeszeremonie zur Spendung von Trost für die besuchenden Verwandten bei einem Todesfall, und die Iban einen Empfang ihrer Krieger nach der Rückkehr einer erfolgreichen Schlacht.

 

Frischer Fisch .....
..... getrockneter Fisch .....
..... und frisch gerupfte Hühner
 
 
Ganz besonders freuen wir uns am nächsten Tag auf unsere spezielle Tierbegegnung. Kaum 20 km ausserhalb der Stadt liegt das Semenggoh Nature Reserve mit dem Orang Utan Rehabilitationscenter , wo zurzeit 22 dieser liebenswerten Geschöpfe gehegt und gepflegt und für ein Leben in Freiheit trainiert werden. Schon als wir um 8.30Uhr eintreffen, wartet ein stattliches Weibchen auf uns. Gelassen sitzt es auf einer Holzbank und futtert eine gelbe Banane nach der andern. Von unserer Anwesenheit nimmt es überhaupt keine Notiz – es ist sich an Menschen gewöhnt, weil es von Menschen betreut und aufgezogen wird. Alle Orang Utan kamen entweder als Waisenkinder nach Semenggoh oder hatten das Glück, von ihrem tristen Dasein als angekettetes Haustier befreit zu werden. Urplötzlich kommt Bewegung in die Szene: Schwerfällig steht es auf – ein Orang Utan kann bis zu 1.5m gross werden und 200 kg wiegen – und kommt direkt auf uns zu – keine Angst, wir weichen beim Anblick dieses kräftigen, stark behaarten Wesens automatisch zurück! Es hebt den Deckel der nächsten Mülltonne, schnappt sich eine leere Flasche von ‚Borneo’ Mineralwasser und öffnet geschickt den Schraubverschluss. Was verstopft denn hier die Öffnung? Erst probiert und probiert es das Herausfischen mit dem Finger, und als es scheitert, kommt ungeduldiges Rausklopfen an die Reihe. Haben es die Affen den Menschen abgeguckt oder sind sie so intelligent? Auf den Baumästen hoch über unseren Köpfen turnt und spielt der Nachwuchs. Es ist herzerfrischend, den beiden absolut niedlichen Kindern zuzuschauen, und wir dürfen nicht daran denken, dass dieses Auffanglager um ein Haar geschlossen wurde. Einzig und allein dem Sarawaker Touristenministerium ist es zu verdanken, dass das ungewisse Schicksal dieser Tiere nicht besiegelt wurde. Allein schon der Gedanke daran bricht uns fast das Herz.

 

Das malerische Fischerdörfchen
Bako beim Bako Nationalpark
Unterwegs zu neuen Fischgründen
Die einsame Bucht von Pako
im Bako Nationalpark
 
 
Inzwischen ist es Zeit für den „Hauptakt“ – die Fütterung – geworden. Wir folgen einem Tierhüter zur im Wald versteckten Plattform, die etwa zehn Gehminuten entfernt ist. Doch nicht ein einziger Affe taucht auf – keiner scheint hungrig zu sein! Dafür dürfen wir – nachdem sich die lärmige Schulklasse und die wenigen andern Besucher verzogen haben – ein zweijähriges Gibbon-Mädchen besuchen, das in einem Käfig geboren wurde und nun von ihrem Betreuer die Regeln und Kunst des Überlebens in Freiheit erlernen muss. Mit ihrem zarten Gesichtchen, umrahmt von einem grauen Pelz, sieht es sehr süss aus und erinnert uns an einen Eskimo. Eigentlich beneide ich den Tierhüter beinahe um seine sicherlich nicht leichte, aber schöne Aufgabe, und mein Wunsch, irgend einmal für Tiere sorgen zu dürfen, wird wieder stärker, als wir zum Parkplatz zurück laufen. Es ist noch früh am Morgen, als wir die Rückfahrt nach Kuching antreten und im Ort Padawan zufällig von einem Schild „Pitcher Plant and wild Orchid Garden“ angelockt werden. Diese seltene fleischfressende Pflanze, heimisch auf Borneo, bestehend aus einem Fangtrichter und Deckel. Durch ihren süsslich riechenden Nektar lockt sie Insekten und kleinere Säugetiere an. Sobald sich das Opfer darin verfangen hat, schliesst sich der Deckel! Was sich uns hier an Reichtum, Schönheit, Grösse und Vielfalt an Formen und Farben auf kleinstem Raum bietet, ist ein weiteres Wunder der tropischen Welt. Die grösste kann bis zu 3½ Liter Flüssigkeit fassen.

 

Proboscis Langnasen Affen tummeln
sich in den Mangroven Sümpfen
des Bako Nationalparks
Die Einheimischen nennen die
Proboscis auch „Dutchman“
(Holländer) – wegen ihrer langen
Nase, ihrem roten Gesicht
und ihrem dicken Bauch
Sie kommen nur noch
auf der Insel Borneo vor
 
 
Das festgelegte Datum vom 15. November für unsere Einreise nach Indonesien steht schon vor der Tür, und noch haben wir die nur auf Borneo vorkommenden Proboscis Langnasenaffen immer noch nicht gesehen. Und ohne dieses spezielle Tiererlebnis wollen wir Sarawak auf keinen Fall verlassen. Entgegen unserer sonst eisernen Gepflogenheit, nichts ohne unseren LandCruiser zu unternehmen, buchen wir deshalb ausnahmsweise auf der Touristeninformation doch noch eine Übernachtung im 37 km entfernten Bako Nationalpark, wo diese am Aussterben bedrohte Tierart noch vorkommt, und packen unseren Rucksack. Um 10 Uhr morgens des 14. Novembers besteigen wir zusammen mit einem deutschen Paar und einer französischen Weltreisenden im Stadtzentrum den Bus zum Kampung Bako, einem pittoresken Fischerdorf, von wo uns ein gemeinsam gechartertes Schnellboot in knappen 20 Minuten abenteuerlicher Fahrt entlang der Küste zum Nationalpark bringt. Nachdem wir um 14 Uhr endlich unser übel riechendes Zimmer beziehen können, entschliessen wir uns für den 1.2 km langen Pako-Trail, der zur gleichnamigen wilden Bucht führt, denn hier soll die Chance, Proboscis Langnasenaffen zu sehen, am grössten sein. Über weitverzweigte Wurzeln, moosbedeckte Steine und an den steilsten Aufstiegen über improvisierte Holztreppen stolpern und kraxeln wir uns bis zur einsamen Bucht vor. Immer mal wieder raschelt es über unseren Köpfen, wenn sich die Affen von Ast zu Ast schwingen. Doch so richtig zu Gesicht bekommen wir sie nicht bis zum Moment, wo wir uns wieder dem Ausgangspunkt des Trails bei der Jetty nähern. Erst erspähen wir nur einen, dann drei, und am Schluss ein ganzes Rudel, welches sich in den Mangrovensümpfen herum tummelt. Mäuschenstill bleiben wir stehen und trauen unserem Glück nicht, als sie sich uns nähern und genau die Bäume in unserer Nähe für ihr Abendmahl aussuchen. In aller Seelenruhe stopfen sie sich eine handvoll saftig grüner Blätter nach der andern ins Maul – ein Ast nach dem andern wird systematisch radikal kahl gefressen. Sie lassen sich von nichts stören, auch nicht, als wir auf leisen Sohlen näher rücken, um sie zu fotografieren.

 

Stempel der tropischen Natur: Eine
Kaskade von weissen Pilzen .....
..... rote „Tassen“-Pilze .....
..... und gewundene Lianen
 
 
Ein schon etwas betagtes Männchen wird unser absoluter Liebling. Es sitzt gelassen über unseren Köpfen auf einer Astgabel und mustert uns von seinem bevorzugten Platz aus scheulos und mit der grössten Selbstverständlichkeit. Wir blicken gebannt nach oben und lassen die ganze Zeit kein Auge von diesem lustig aussehenden Wesen mit dem langen, weissen Schwanz, auch „Dutchman of Borneo“ genannt. Weshalb haben ihm die Einheimischen diesen kuriosen Beinamen verpasst? Es ist seine lange, hängende Nase, sein rotes Gesicht und sein runder Bauch. Er erinnerte sie damals an europäische Seefahrer und Plantagenbesitzer, die einst in dieser Gegend auftauchten. Je länger wir diesen „Burschen“ betrachten, desto mehr Ähnlichkeiten fallen auch uns auf .....! Ein unglaubliches Glücksgefühl durchströmt uns, weil nun tatsächlich auch noch unser letzter grosser Wunsch auf Sarawak in Erfüllung gegangen ist. Diesen Augenblick wollen wir nun bis zum allerletzten Moment auskosten und warten solange, bis die drolligen Kerle mit ihren gefüllten Bäuchen gemächlich zu ihrem Nachtlager zurück trollen, wo sie dann im dichten Blätterwerk der hohen Bäume rasch und endgültig unseren Blicken entschwinden. Es ist in Momenten wie diesem, dass wir die Einzigartigkeiten des Lebens am intensivsten spüren. Als wir langsam zu unserem Bungalow zurückkehren, neigt sich der Tag schon dem Ende entgegen. Eine unglaublich friedliche Abendstimmung senkt sich über die Bucht, bevor die Sonne mit einem glühend roten Ball im Meer versinkt. Faszination vermischt sich mit einem Hauch von Wehmut und Traurigkeit, denn für uns haben nun die letzten Stunden auf Sarawak, das uns etliche Monate auf Trab gehalten hat, endgültig geschlagen. Wir durften hier sehr viel Gastfreundschaft erleben, viele Besonderheiten des tropischen Regenwaldes kennen lernen und die glücklich verlaufene Verjüngungskur unseres LandCruiser miterleben. Am nächsten Morgen kehren wir nach Kuching zurück und rollen dann langsam der indonesischen Landgrenze in Entikong entgegen. Unser Kopf ist prallvoll mit wunderbaren Eindrücken, als sich die Grenztore hinter uns schliessen. Der Süden Ost-Malaysias hat uns nicht enttäuscht und uns noch ein Stück des "wahren" Borneo vermittelt, das wir im Norden vergebens gesucht hatten.
 

Friedliche Abendstimmung in der
Bucht des Bako Nationalparks am
Südchinesischen Meer .....
..... und ein bezaubernder
Sonnenuntergang an unserem
letzten Abend in Sarawak .....
..... bevor wir durch eindrucksvolle
Landschaften der indonesischen
Landgrenze entgegen fahren
Zeitungsartikel über uns in Ost-Malaysia - Sarawak:
Interview: "Schweizer Paar reist um die Welt", Sin Chew Tageszeitung (chinesisch) Sarawak - 18., 19. und 20. August 2007 (Teil 1 bis 3)