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Rundum-Verjüngung unseres LandCruisers FJ60, Jahrgang 1982

in Miri/Sarawak/Ost-Malaysia vom 15.6.2006 - 26.8.2006

Hat es sich gelohnt?

letzte Foto: 31.08.07

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Der sich zunehmend verschlechternde Zustand unseres 1982-er LandCruiser's liegt uns schon seit längerer Zeit sehr schwer auf dem Magen. Nach wiederholten Berechnungen, heftigen Debatten, endlosen Diskussionen und manch schlaflosen Nächten entscheiden wir in Ranong in Süd-Thailand, dass er es nicht verdient, sein abenteuerliches Leben hier auf irgendeinem Schrottplatz zu beenden, nachdem er fast 22 lange Jahre unser treuer Reisebegleiter durch jegliche Art von Gelände in 153 verschiedenen Ländern der Welt war und uns nicht ein einziges Mal im Stich gelassen hat. Bevor er in einem Jahr ins „Oldtimer“-Alter von 25 Jahren tritt, wollen wir ihm daher eine wohlverdiente „Verjüngungskur“ gönnen und hoffen, auch in der Zukunft noch viele weitere Jahre gemeinsam unterwegs sein zu dürfen und damit auch unseren Guinness Buch Rekord auszuweiten.
 
 
 
Unser LandCruiser in
seinem Originalzustand
Die Werkstatt Yung Lee Auto &
Painting Workshop in Miri/Sarawak
führt die Karosserie-Arbeiten durch
Sein "Zuhause" für die
nächsten paar Wochen

 

 

 

Von rechts: Chef Lance Lau,
Mitarbeiterin und Übersetzerin
Lynn mit Tochter Sherlyn, Emil
und Mechaniker John
Der schwere Gepäckträger
wird gehoben und entfernt .....
..... und es wird gleich mit
dem Entrosten begonnen
 
Automatisch taucht die Frage auf: Wo? Toyota-Händler und -Garagen gibt es zwar genügend, doch haben sie meistens die Ersatzteile unseres doch schon „betagten“ Autos nicht mehr vorrätig und die Lieferfristen von Japan können Monate dauern. Dann sollte unser beschränktes Budget nicht zu stark überschritten werden, d.h. das Preisniveau sollte tiefer als in den meisten westlichen Ländern sein. Ausserdem sollte noch das Interesse am „Reparieren“ vorhanden sein – wir wollen ja nicht gleich alles wegwerfen und neu ersetzen. Aber eine gewisse Qualitätsarbeit sollte dennoch geleistet werden. Auch wollen wir nicht durch eine allzugrosse Sprachbarriere behindert werden – wir möchten uns mit Englisch „durchkämpfen“ können. Es ist nicht einfach, alle diese Bedingungen unter einen Hut zu bringen, doch Malaysia scheint uns dafür ganz gut geeignet: Es ist nicht mehr ein Entwicklungsland, wo man nichts findet, weist jedoch noch nicht die in den Industrienationen leider vorherrschende Wegwerf-Mentalität auf. Dank der vielen dort lebenden Chinesen ist nicht nur ein relativ grosser Arbeitswille vorhanden, sondern ebenso die notwendigen Kenntnisse. Leider findet man aber im kontinentalen West-Malaysia unseren LandCruiser-Typ selten, aber durch unsere im ost-malaysischen Borneo lebenden Freunde erfahren wir, dass er interessanterweise dort noch „in jeder Menge“ zirkuliert und anzutreffen ist – sowohl in Sarawak wie auch in Sabah.

 

 

 

Der Elektriker widmet sich
dem unglaublichen Kabelsalat
Böses Erwachen: Das Dach .....
..... und der Boden

 

 

 

Der Motor ist entfernt: Emil inspiziert
etwas ‚verloren’, was verbleibt
 
Liliana steht vor dem Motor, unserem Sorgenkind nach 614'446 km
Unser gestrippter LandCruiser
–  nun ein Geisteraut
 
Also nichts wie hin. Wir verlassen Thailand am 18. Mai 2006 und fahren in Malaysia gleich mal zur ersten Hafenstadt: Butterworth bei Penang. Drei Tage später steckt unser „Freund“ schon in einem Container und segelt nach Bintulu in Sarawak, während wir mit der Billigfluglinie AirAsia zu unseren Freunden nach Miri fliegen. Den folgenden Monat investierten wir ins „Organisieren“: Werkstätten abklappern; Offerten anfordern; Referenzen einholen; Ersatzteilhändler finden; Bleibe suchen – denn „Housesitting“ bei unseren Freunden ist erst für den Monat August während ihrer Ferienzeit vorgesehen (glücklicherweise können wir aber den ganzen Auto-Inhalt gleich bei Ankunft bei ihnen abladen); und schlussendlich müssen wir bis zu ihrer Abreise Ende Juli auch noch ein günstiges Mietauto organisieren.

 
Bald bleibt von seinem alten "Glanz"
nichts mehr übrig!
Das Schweissen am "Häuschen"
macht Fortschritte
Nun ist der Motor an der Reihe
 
 
 
 
Ventile und Kolben sehen
gar nicht so schlecht aus
Emil studiert die Kolben
Die Beschaffung neuer Kolben
für unser Europa-Modell ist
alles andere als einfach
 
Nachdem der LandCruiser nach Tagen intensiver Arbeit endlich von all seiner Last befreit wurde, steuern wir ihn am 21. Juni 2006 vertrauensvoll in die Werkstätte ‚Yung Lee’s Auto and Painting Workshop’ in Miri und übergeben ihn nach 614'446 km nicht ganz emotions- und bedenkenlos dem chinesischen Chef, Mr. Lau. (Der lokale Toyota-Händler des grossen malaysischen ‚UMW Toyota Motor’ Importeurs refüsierte übrigens, die tiefgreifenden Karosserie-Arbeiten anzunehmen). In den folgenden Wochen und Monaten setzen wir unser ganzes Vertrauen in die Hände der „Spezialisten“ dieser Werkstatt. Fast täglich kreuzen wir auf und verfolgen aufmerksamen die verschiedenen Arbeiten – strippen, schweissen, löten, schneiden, hämmern, biegen, ersetzen etc. Ab und zu müssen Korrekturen angebracht werden   – oft ergreift uns auch Panik. Unwillkürlich schleicht sich der beängstigende Gedanke ein: Wird diese Verjüngungskur je gut enden? Wird dieses wackelige Skelett je wieder ein fahrtüchtiges Auto werden? Werden wir drei Unzertrennlichen je wieder gemeinsam auf Achse sein, durch weitere fremde Länder dieser Welt? Werden wir es überhaupt ins nächste, nur 30 km entfernte 154. Land Brunei schaffen? Es gibt gewisse Momente, wo wir fast verzweifeln und nicht daran denken dürfen, dass unsere unmittelbare Zukunft allein im Erfolg dieser intensiven, delikaten und auch relativ kostenaufwendigen Reparaturen liegt. Was, wenn etwas total schief läuft? Wenn etwas irreparabel wird? So unermesslich viel hängt für uns davon ab.
 
 
 
 
 
 
Unglaublich, dass so ein Kolben
problemlos innert 16225½ Stunden
4 Milliarden Bewegungen schaffte
Unser LandCruiser verwandelt
sich langsam in ein Cabriolet!
Schweisser Ah Nam
am Holmen reparieren
 
 
 
 
 
 
Front vor der Reparatur .....
..... nach der Reparatur
Unser LandCruiser nimmt langsam wieder Gestalt an - Emil gibt neue Anweisungen
 
Es ist nicht allein die Karosserie, deren Rost uns Sorgen bereitet, sondern speziell auch das Herz unseres Kumpels. Wie sieht es dort innen aus? Der bewegende Moment kommt für uns am 5. Juli in derselben Werkstatt: Der Motor wird das erste Mal geöffnet und total zerlegt. Der erste Eindruck ist sehr gut: Der Zylinderblock und die Kurbelwelle sind nach mehr als 16'350 Stunden Laufzeit immer noch in überraschend gutem Zustand. Jetzt gilt es nur noch, irgendwo in der Welt die benötigten Originalersatzteile für eine Überholung aufzutreiben. Wir sind zuversichtlich, denn in den chinesisch-indonesischen Graumarkt haben wir absolut kein Vertrauen. Nicht im geringsten hätten wir jedoch gedacht, wie schwierig es tatsächlich sein wird. Schon bald erfahren wir: Es gibt nirgends mehr Kolben und Kolbenringe (Kuppel-Form) für unser europäisches Modell, da Toyota weltweit sie nicht mehr am Lager führt, nachdem dieser Motor nach 1986 nicht mehr produziert wurde.
 
 
 
 
 
 
Nun wird im Innern repariert
Kabel und Drähte
immer noch ein Durcheinander .....
..... aber sie verschwinden wieder
hinter dem Armaturenbrett
 
 
 
 
 
 
Kosmetische Reparatur
um Rostlöcher zu stopfen
Schön farbig - die vielen
Grundierungsschichten
Nun wird gespachtelt
 
Intensiv versuchen wir es überall – in Malaysia und in den Nachbarstaaten, auch in der Schweiz, Deutschland, Gibraltar, Japan, Australien, Guyana, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA, wo wir immer noch gute Kontakte mit den dortigen Toyota-Importeuren pflegen. Das Resultat ist leider immer und überall negativ. Automatisch setzen wir uns daher mit den hiesigen Autoläden mit Namen wie Tung Fang, Tung Huat und Namthong auseinander – alles freundliche chinesische Ersatzteilhändler in Miri, die uns jedoch auch nicht weiter helfen können. Deshalb beginnen wir stundenlang im Internet darnach zu suchen, nicht mehr nach den europäischen Kolben, sondern nach den flachen, die in allen anderen Teilen der Welt verwendet werden. Mit dieser Notlösung müssen wir jedoch einen geringen Leistungsverlust des Motors akzeptieren, was uns aber weiter nicht allzu sehr stört.
 
 
 
 
 
 
Die Motoren-Ersatzteile aus Japan
treffen am 11. August endlich ein
Und schon geht es los:
Ventilsitze einschleifen .....
 
..... Zylinder bohren und honen .....
 
 
 
 
 
 
..... Kurbelwelle polieren ..... ..... und Zylinderkopf schleifen Der Gepäckträger wird angepasst
 
Endlich werden wir bei einigen Händlern in den USA fündig, und gerade, als wir die Teile per DHL-Kurier bestellen wollen, trifft die Supernachricht von Toyota Gibraltar ein, dass laut dem europäischen Toyota-Zentrallager diese doch noch in Japan vorrätig seien – eine total gegensätzliche Information zur derjenigen des lokalen Miri-Händlers nur einige Tage zuvor. Um eine eh schon lange Geschichte kurz zu schliessen: Mit einer ziemlichen Wut im Bauch kreuzen wir mit dieser Neuigkeit unverzüglich erneut bei der Miri-Toyota auf und machen unserem aufgestauten Ärger ziemlich lautstark Luft (obschon eine laute Stimme in Asien sehr verpönt ist!). Aber es hilft. Das lockt immerhin den Chef des „After Sales Departments“ aufs Tapet, der sich nun persönlich der Sache annimmt und dafür sorgt, dass die Teile unverzüglich bei TMC in Japan bestellt werden mit der Garantie, dass sie innert 14 Tagen hier eintreffen werden. Von diesem Moment an können wir endlich wieder in aller Ruhe schlafen, ohne die uns plagenden Alpträume von Kolben und Kolbenringen!
 
 
 
 
 
 
Chef Lau und Emil besprechen
die Motorenzusammensetzung
Der revidierte Zylinderblock
von oben und unten
Emil sucht in seiner Ersatzteilschachtel
nach "Wunder"
 
 
 
 
 
 
Der Motor wird eingebaut
Und ..... am 17.8.06 läuft er wieder!!
Die Innenverkleidung wird
auch nicht vernachlässigt
 
Und am 11. August trifft dann tatsächlich das versprochene Paket mit den Motorenersatzteilen aus Japan auch ein. Nun kann es losgehen: Ventilsitze einschleifen, Zylinder bohren und honen, Kurbelwelle polieren, Zylinderkopf schleifen. Dann wird der Motor wieder zusammengesetzt und eingebaut, und am 17. August läuft er wieder! Aber leider nicht so gut, wie es sein sollte. Ein klopfendes, metallisches Geräusch ist nicht zu überhören. Deren Ursache herauszufinden ist nicht einfach und kostet allen Partien etliches Kopfzerbrechen. Unsere Nerven werden dabei dermassen strapaziert, dass wir nun deswegen nachts wieder oft wach liegen. Denn wir wissen: So können und wollen wir uns nicht auf den weiteren Weg in neue Länder wagen.
 
 
 
 
 
 
Der Werdegang einer "Spritztour", d.h. der Grundierung
 
 
 
 
 
 
 
In der Spritzkabine ..... ..... an der Arbeit ..... ..... langsam wird er wieder blau
 
Nach einigen Tagen mit vielen stimmungsgeladenen Diskussionen und hektischen Momenten ist eines schönen Morgens das besorgniserregende, laute Geräusch plötzlich fast verschwunden. „Was habt Ihr gemacht?“, fragen wir Mr. Lau neugierig. „Wir haben lediglich die Ventile besser eingestellt“, ist seine uns doch etwas vor den Kopf stossende Antwort. Wie viele Sorgenfalten hätte man uns ersparen können, hätte man diese Arbeit auf Anhieb korrekt durchgeführt! Allerdings werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass irgendwann in der Zukunft die Nockenwelle zu ersetzen sein werde, der man den noch verbleibenden kleinen Unterton zuschiebt. Da nun das Motorenproblem mehrheitlich gelöst ist, wird die Hauptaktivität auf die Spenglereiarbeiten verlagert: Spachteln, Grundieren und natürlich Spritzen. Es macht Freude, den täglichen Fortschritt mitverfolgen zu können, und am Samstag, 26. August 2006, klingelt um 14.30 Uhr das Telefon. Es ist Lynn, die Sekretärin der Werkstatt, die uns mitteilt, dass das Auto abholbereit ist. Eine Viertelstunde später sind wir dort. Das Hochgefühl, unseren treuen Kumpel in seinem neu gewonnenen, leuchtend blauen Glanz vor uns stehen zu sehen, ist enorm. Passen wir zwei Bescheidenen eigentlich noch dazu? Auf Anweisung von Mr. Lau, des chinesischen Werkstattchefs, hat sein tüchtiges Personal unter seiner und unserer Aufsicht in den letzten zwei Monaten wahre Wunder an der durchgerosteten Karosserie vollbracht. Jedermann war stets motiviert und bestrebt, unser Reisemobil wieder auf Vordermann zu bringen, und jedermann freut sich heute mit uns über das erstaunlich gut gelungene Werk.
 
 
 
 
 
 
Am 22. August wie neugeboren!
Nun wird auf Hochglanz poliert
Aber ein komisches Geräusch im Motor erfordert eine gründliche Besprechung
 
 
 
 
 
 
Der Karosserie-Endspurt:
Die Gitter werden montiert
26. August: Abfahrbereit - ein
DANKESCHÖN
dem Chef Lance Lau und seinem
Team für das gelungene Werk
Unser LandCruiser im neuen Gewand
nach seiner "Verjüngungskur"
 
29. August 2006: Es wurden noch einige kleine Arbeiten erledigt - sozusagen der letzte Schliff.
Am 30.8.06 geht es weiter zum 154. Land - Brunei und daraufhin nach Sabah im Norden Borneos.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nebst dem hinteren Kreuzgelenk der
Kardanwelle werden noch
verschiedene weitere kleinere Arbeiten
am Auto erledigt, die im nachhinein
zum Vorschein kamen
Schwierige Entscheidung: Wir lassen
„schweren Herzens“ unsere Autoheizung
zurück, weil die Verbindung der beiden
Teile fehlt – was wird passieren, wenn
es wieder kalt werden sollte?
Nachdem auch alle Garantiearbeiten
erledigt sind, lädt uns Mr. Lau
generöserweise zusammen mit
seinen Mechanikern und seinem Freund
noch zu einem üppigen Mittagessen ein
 
23. Oktober 2006: Die Reise kann weiter zum 155. Land Indonesien und 156. Ost-Timor gehen.
Wir berichten darüber auch unter: "Bilder unserer Borneo-Reise"
 
Nachtrag (17.9.2007):
11 Monate später kommen wir nach 19'000 in Indonesien gefahrenen Kilometern zurück nach Sarawak. Da inzwischen das Getriebe und das Nebengetriebe ziemlich zu „singen“ begannen, entscheiden wir uns für eine Getrieberevision in derselben Werkstätte. Es werden während drei Wochen einige Zahnräder, Lager und andere Teile im Gesamtbetrag von knapp € 600 (US$ 800) ausgewechselt, die wir in den lokalen Ersatzteilläden beschaffen konnten, z.T. allerdings ziemlich mühsam. Wir sind uns nie sicher gewesen, ob wir bei allen Käufen Originalteile erhielten, oder ob uns teilweise nachgemachte Fälschungen zu Originalpreisen angedreht wurden.
 
 
 
 
 
 
Das Nebengetriebe ist schon zerlegt
Das Getriebe ist ausgebaut und wird
entsprechend untersucht
Nachdem überall die abgenutzten Zahn-
räder und Teile ausgewechselt sind, kann
man wieder mit dem Einbau beginnen
 
28. September 2007: Die Reise kann weiter zum 157. Land gehen.
Wir berichten darüber unter: "Taiwan-Reise"
 
Heute (30.11.2008): Ende November 2008 in Vanuatu, 2¼ Jahre und fast 40'000 km später – können wir folgendes festhalten: Der Aufwand und die Investition von rund € 4’400 (US$ 5'600) für den Motor und die Karosserie haben sich wirklich gelohnt. Der Motor läuft ruhig und bestens, der Ölverbrauch ist etwa bei 1 Liter auf 3'000 km, die Kompression liegt bei etwa 9 Bar (130 psi); bei der Karosserie hält sich neuer Rost in Grenzen. Die geschweissten Teile haben bis heute gehalten, wobei wir bisher jedoch keine extremen Fahrbedingungen (Verwindungen) bewältigen mussten. Die Getriebeüberholung wurde aber leider nicht (mehr) mit der gleichen Qualität durchgeführt, denn kürzlich fiel der erste Gang bei steilen Abfahrten einige Male raus – und das nach erst 18'000 km.