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Bildbericht unserer Indonesien-Reise 2010
(West-Sumatra)
 
 
       
 
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letzte Foto aufgenommen: 23.5.10
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 76  Auf der Strecke von Tarutung
nach Padangsidempuan überqueren
wir diesen „dampfenden“ Urwaldfluss
 77  Unser LandCruiser beschleunigt,
um den Steilaufstieg gegen Sipirok
zu meistern, wo gestrandete LKW’s
darauf warten, mit einer Seilwinde
hochgezogen zu werden
78  Über dem Regenwald an der
Sibolga-Umfahrung breitet sich
eine mystische Stimmung aus
 
Am 1. Mai 2010, am Tag als wir unsere Zelte am Toba-See im nördlichen Sumatra nach 33 Tagen endlich abbrechen und die 10 Uhr Autofähre von der Samosir-Insel nach Parapat zurück aufs Festland nehmen, zeigt die Grosswetterlage, dass ein umfangreiches Tief im Anzug ist. Und genau in diese stürmische Regenfront fahren wir hinein. Unaufhörlich peitscht der Regen frontal gegen die Frontscheibe, und trotz unserer eigenen Ausbesserungskünste in der vergangenen Woche kriegen wir ziemlich nasse Füsse. Es scheint, dass nicht nur die Gummi-Abdichtung der Frontscheibe auf beiden Seiten undicht ist, sondern das Wasser auch noch anderswo eindringt. Unsere Weiterreise nach Süden können wir jedoch nicht mehr weiter hinauszögern, da wir unseren Flug mit AirAsia nach Kuala Lumpur vom rund 500km entfernten Padang fest auf den 6. Mai buchten. Erstens müssen wir in Malaysia ein weiteres 2-monatiges Visum beantragen (ist einfacher als die im Land selbst nur je einmonatigen Verlängerungen) und zweitens unsere Zahnprobleme weiter unter Kontrolle kriegen: Emil sein Zahnfleisch und ich meine Wurzelbehandlungen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 79  Blick vom Hügel des Torsibohi
Resort in Sipirok auf das fruchtbare Tal
 80  Diese prachtvolle Moschee
steht im sonst charakterlosen
Ort Kotanopan
81  Satt grüne Reisfelder begleiten
uns in Sumatra auf Schritt und Tritt
 
Im Ort Tarutung zweigen wir vom Trans-Sumatra-Highway auf die Abkürzung ab, die durch das Landesinnere verläuft und die Küstenstadt Sibolga umfährt. Nach Aussagen von Annette der Tabo Cottages in TukTuk und einem Lastwagenfahrer, den wir gerade auf der Tankstelle noch befragten, soll diese Umfahrungsstrasse in besserem Zustand sein als die Hauptstrasse. Ein Autolenker aus Medan hingegen, mit dem wir auf der Fähre kurz darüber sprachen, prophezeite uns jedoch genau das Gegenteil. Wer hat nun recht? Was wir unbedingt vermeiden möchten, ist die berüchtigte Passage, wo die Lastwagen angeblich einer nach dem andern mit der Seilwinde hochgezogen werden müssen. Erinnerungen an Guyana und Kongo (ex-Zaire) werden wach! Wir sind erst einige Kilometer auf der schmalen, kurvigen Piste unterwegs, als wir den besagten Lastwagenfahrer wieder antreffen – leider an einer Unfallstelle. Er ist mit einem entgegenkommenden Kleinlaster zusammengeprallt. Verletzt scheint niemand zu sein, aber beide Lkws sind vorne recht eingedrückt. Das stellen wir fest, als wir uns gerade noch knapp zwischen den Unfallfahrzeugen hindurchzwängen können. Und von wegen guter Strasse: Schon bald hört der Asphalt endgültig auf, es folgt ein steiler Abstieg, es wird immer schlammiger und plötzlich liegt ein nicht zu unterschätzendes Schlammloch vor uns. Morast gehört für uns infolge unseres Gewichtes seit eh und je zu den grössten Nervenbelastungen und wird es auch weiterhin bleiben.
 
 
 
 
 
 
 
 
Hochzeit des Stammes der Minangkabau bei Padangsidempuan. Die Minangkabau bilden noch eine der wenigen existierenden
matrilinealen Gesellschaften auf der Welt, d.h. Eigentum und Reichtum werden durch die mütterliche Linie vererbt und übertragen
 82  Das Brautpaar sitzt auf dem in
gold und rot dekorierten Thron ....
 83  ..... die Hochzeitsgäste –
streng gläubige Moslems – lauschen
den Worten des Imam .....
84   ..... eine Studentin und ein kleines
Mädchen umarmen Liliana spontan vor
dem Auto, bevor sie sich verabschieden
 
Wir schalten den Allrad zu, atmen tief ein und ..... ja, schaffen es! Wir sind glücklich, aber noch nicht entspannt. Unmittelbar darauf folgt ein steiler Aufstieg. Davor und dazwischen stehen gestrandete Lkws. Ist es nicht genau diese Passage, die wir unbedingt vermeiden wollten? Aber es gibt ohnehin nur einen Weg: Vorwärts, denn der Abend naht. Zu unserem freudigen Erstaunen ist es für unseren betagten LandCruiser immer noch ein Kinderspiel, und bevor wir es recht realisieren, sind wir schon „über dem Berg“. Inzwischen dunkelt es ein, und entlang der Strasse zu übernachten, steht für uns ausser Diskussion – Ausstellplätze gibt es ohnehin nicht. Deshalb peilen wir Sipirok an, wo das einzige Hotel auf dieser Tagesstrecke stehen soll. Es ist bereits dunkel, als sich die Schranke zum "Torsibohi-Resort" öffnet und wir den Hügel zum Parkplatz hoch fahren. Bei der Rezeption kommt dann die grosse Ernüchterung: Alle Zimmer sind ausgebucht. Wir hätten es eigentlich wissen sollen: Auf 900m Höhe gelegen, lockt diese kühle Bergregion an den Wochenenden die Küstenbewohner in Massen an, die dort in der Hitze schmoren. Und heute ist Samstag! Das einzige, was noch frei ist, ist eine „Villa“ mit zwei Schlafzimmern, drei Badezimmern, einem Wohnraum und einer Küche, ausgerichtet für mindestens vier Personen zum Vorzugspreis von 1.12 Mio. Rupien (= € 90), inkl. Willkommensdrink, Nacht- und Morgenessen für 4 Personen!! Uns wird es schwindelig.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 85  Verträumte Landschaft: Eine
einsame Moschee zwischen
Reisfeld und Regenwald in
der Nähe von Kotanopan
 86  Unglaublich, wie dieser Moped-
fahrer es schafft, auf der kurvenreichen
Bergstrasse nach Bukittinggi das
Gleichgewicht zu wahren
87  Frisch angepflanzte Reisfelder
verleihen der Landschaft immer
eine besondere Note – es
steckt harte Arbeit dahinter
 
Der nächste Ort mit Unterkunft liegt 38km weiter. Da es inzwischen bereits Nacht ist, wo auch die vielen schweren Lastwagen – hoch mit Kisten und Säcken beladen, welche das Fahrzeug in seiner Breite vielfach unmarkiert und unbeleuchtet überragen – oft kurvenschneidend auf der engen Strasse unterwegs sind (sie fahren meistens nachts), ist es uns zu riskant. Nach den eben gemachten Erfahrungen zweifeln wir auch an der Auskunft über den „guten“ Strassenzustand, und haben keinen Bock, noch mehr Schlamm im Dunkeln anzutreffen. Da man uns nicht erlaubt, auf dem Hotelareal zu campen, versuchen wir krampfhaft, den Preis herunterzuhandeln. Doch der Empfang bleibt stur. Wir hängen eine gute Stunde herum, bis der Manager auftaucht, der aber auch nichts von einem Rabatt wissen will. „OK, wir nehmen die Villa“, teilen wir ihm resigniert mit. Allerdings pochen wir darauf, vier Begrüssungs-Getränke, vier Nachtessen (obschon wir nachts nie was essen!) und vier Morgenessen serviert zu bekommen. Schliesslich ist es im Preis inbegriffen! Der Manager schaut uns ein bisschen komisch an und überlegt. „Gut, ich gebe Euch die Villa für eine Million, aber ohne Nachtessen und nur zwei Morgenessen“, offeriert er uns. Wir nehmen den Handel an, aber es schmerzt unheimlich, die vielen Noten für eine einzige Nacht hinblättern zu müssen, wo wir ohnehin nur ein Schlaf- und ein Badezimmer benützen. Immerhin können wir nun sagen, dass wir in Indonesien einmal in einer „Einmillionenvilla“ übernachteten!
 
 
 
 
 
 
 88  In Bonjol, das in der heissen Ebene
zwischen Lubuksikaping and Bukittinggi
liegt, durchqueren wir den Äquator zum
27.x ! Grund genug, mit einem Gin-
Tonic Drink darauf anzustossen
 89  Bukittinggi, auf 930m Höhe gelegen,
ist geprägt von der Architektur des
Minangkabau-Hochlandvolkes. Bereits
das Stadttor weist die speziell nach oben
gebogenen Giebel auf, die von der Form
der Büffelhörner inspiriert wurden
90  Der Hauptplatz in Bukittinggi
strotzt am Auffahrtstag nur so von Leben
 
Ein sonnendurchfluteter Morgen weckt uns. Bei Tageslicht nehmen wir die verblassende Schönheit dieses Berghotels näher unter die Lupe. Tennisplätze, eine kleine Moschee aus Holz, zwei Teiche mit weissen blühenden Seerosen und angeschlossenen Pavillons, die am verrotten sind, gehören dazu. Die verstreuten Unterkünfte sind im Batak-Stil gebaut, mit traditionellen Strohdächern. Es gibt Wanderwege, einer führt zu einer Antenne hoch. Zum Frühstück werden uns Jus, Ananasschnitze, Omelette und frischer, gezuckerter Bohnenkaffee auf indonesische Art serviert, wo sich der Kaffeesatz erst setzen muss. Brot gibt es keines. Gottlob haben wir uns in der deutschen Bäckerei bei Annette in TukTuk am Abschiedstag noch entsprechend eingedeckt. Na ja, für eine Million kann man nicht alles verlangen! Aufbruch ist um 9.30 Uhr und in einer Stunde sind wir in Padangsidempuan und zurück auf dem Trans-Sumatra-„Highway“. Kurz darauf ist er nur noch einspurig befahrbar. Wohl eine Baustelle, denken wir. Nein, zu meiner Freude findet eine Hochzeit statt – die Hälfte des „Highways“ ist dafür abgesperrt worden. Natürlich bitte ich Emil anzuhalten. Anders als bei den christlichen Hochzeiten der Bataks in Nord-Sumatra, ist diese Heirat moslemischen Glaubens. Das Brautpaar sitzt auf dem reichlich geschmückten Thron und die Glückwunsch-Bekundungen sind gerade fertig. Ob ich sie fotografieren darf? Niemand scheint sich daran zu stören.
 
 
 
 
 
 
 
 
 91  Jam Gadang, der Glockenturm, ist
Bukittinggi‘s Orientierungspunkt. Er wurde
1926 gebaut – ein Geschenk der Nieder-
ländischen Königin. Das Dach wurde
nach der Unabhängigkeit Indonesiens
der Minangkabau-Kultur angepasst
 92  Wo immer der Blick hinschweift,
die markanten Minangkabau-Dächer
sind in Bukittinggi nie fern
93  Zwei unterschiedliche Architekturen:
Die maurische Arkade des Bukittinggi
Hills Hotels und die gegiebelten
Minangkabau-Dächer
 
Plötzlich kommt ein junges Mädchen auf mich zu und umarmt mich spontan. Ob ich alleine sei, will es wissen. Und als ich erkläre, dass ich mit meinem Mann unterwegs bin, will es meinen „husband“ kennen lernen, der im Auto auf mich wartet. Sie und eine Schar Kinder begleiten mich dann zum Auto zurück. Nach einem Erinnerungsfoto verabschieden wir uns dort herzlich und fahren um ein Erlebnis reicher weiter. Der Tag ist sonnig, der Strassenzustand wird mehrheitlich überraschend gut, und die Landschaft mit den leuchtenden Reisfeldern, Palmenhainen und den Bergen im Hintergrund ist sehr schön. Ein Dorf reiht sich an das andere, und alle sind der lärmigen Hauptstrasse entlang gebaut. Am frühen Nachmittag erreichen wir Panyabungan und sehen zwei Hotels, die uns einen guten Eindruck hinterlassen. Noch zu früh, um bereits Schluss zu machen, beschliessen wir, bis zum nächst grösseren Ort Kotanopan weiterzufahren, der auf unserer Karte gleich fett wie Panyabungan eingezeichnet ist. Weit gefehlt. Dort gibt es nur eine einzige Absteige, und diese liegt direkt an der geschäftigen Hauptverkehrsader. Und der nächste Ort ist zu weit entfernt, um ihn noch bei Tageslicht zu erreichen. So unbefriedigend es ist – wir haben keine andere Wahl, als zu bleiben. Das schönste an diesem unattraktiven Ort ist die Flussnähe. Und wir finden überraschend ein kleines Plätzchen, wo wir uns mit unseren Campingstühlen unter einen Baum mit weit ausladenden Ästen stellen können, der uns Schatten spendet, ohne gleich von Neugierigen umringt zu werden.
 
 
 
 
 
 
 94  Drei Freundinnen lächeln etwas
verlegen, als wir sie fotografieren
 95  „Trockenfutter“ gibt es auf dem
„Pasar Atas“, Bukittinngi’s grossem
Markt, in jeder Menge .....
96  ..... und die kleinen Marktbuden
sind vollgestopft mit
islamischen Kopfbedeckungen
 
Wir bewundern die gebündelten grünen „Trauben“ die direkt aus dem Stamm wachsen. Auf der anderen Flussseite lassen sich zwei Jungs mit einem aufgeblasenen Autoschlauch die starke Strömung flussabwärts treiben und haben ihre helle Freude daran. Als sich die Vögel für die Nacht mit ihrem üblichen Gezwitscher in den Baumkronen niederlassen, ist es Zeit für uns, zu unserer Absteige zurückzukehren. Seit langem greifen wir wieder einmal nach unseren eigenen Stoffschlafsäcken und Kopfkissenüberzügen. Wer weiss, wann das Bettzeug hier zum letzten Mal gewechselt wurde. Sauber sieht es auf jeden Fall nicht aus. Lange verweilen wir noch auf der etwas luftigeren Terrasse und schauen dem nie endenden Verkehr zu. Der Strassenlärm ist aber so horrend, dass ich mir oft beide Finger in die Ohren stopfen muss, um nicht durchzudrehen. Die schlimmsten sind die Dreiräder mit Seitenwagen und die Mopeds, beide meistens ohne Schalldämpfer. Irgendwann ziehen wir uns ins stickige Zimmer zurück – es hat nicht einmal einen Ventilator – und dösen im Halbschlaf die Nacht durch und dem Morgen entgegen. Was für ein Unterschied zur gestrigen Unterkunft, unserer „Millionen-Rupie-Villa“! Gut, hier bezahlten wir für das Zimmer „nur“ Rupien 80‘000 (= € 7), stellten aber später fest, dass es immer noch zuviel war, als ein Indonesier eine 50‘000 Rupien-Note (= € 4) über die Theke reichte.
 
 
 
 
 
 
 97  Nostalgische Pferdekutschen
warten an Bukittinggi’s
Hauptplatz auf Kundschaft
 98  Ein schnuckeliges Haus auf einer
schmalen Seitenstrasse in Bukittinggi
99  Blick vom Balkon unseres Hotels
Benteng in Bukittinggi während einer
interessanten Abendstimmung, mit der
markanten Moschee im Vorder- und
dem 2‘891 m hohen Vulkan
Merpati im Hintergrund
 
Um 6.30 Uhr stehen wir auf, und kurz vor 8 Uhr sind wir bereits wieder unterwegs, zu unserer letzten Etappe bis Bukittinggi. Es sind noch 150km; dafür werden 7 - 8 Stunden angegeben. Auch heute prägen Reisfelder das Landschaftsbild. Der Strassenzustand ist passabel, der -verlauf sehr kurvig. Vor dem Ort Rao passieren wir die Provinzgrenze von Nord- nach Westsumatra. Und in Bonjol, in der heissen Ebene, durchqueren wir den Äquator – zum 27x ! Grund genug, um mit einem Gin-Tonic-Drink gebührend darauf anzustossen und zurückzublenden. Emil, der geborene Statistiker, kann mir mit Leichtigkeit jede einzelne aus dem Gedächtnis aufzählen: 3x in Indonesien, 3x in Ekuador, 1x in Brasilien, 3x in Gabun, 7x in Uganda und 4 x in Kenia. Die verbleibenden 6x fanden beim LandCruiser auf einem Schiff statt, während wir dabei 4x im Flugzeug sassen und nur 2x einer Äquatortaufe beiwohnten. In West-Sumatra scheint uns alles gepflegter, die Häuser machen einen netteren Eindruck, es liegt weniger Abfall herum. Gegen 15 Uhr fahren wir in Bukittinggi, dem Herzen der Minangkabau-Kultur, ein. Auf 930m Höhe gelegen, sind wir froh, wieder kühlere „Höhen“-luft einatmen zu können. Emils gutes Gespür führt uns durch die Panoramastrasse auf den höchsten Punkt der Stadt, wo wir das Benteng-Hotel entdecken, das nicht nur einen sicheren Parkplatz bietet, sondern auch ein helles, luftiges Zimmer mit Veranda, schöner Stadtsicht und Blick auf den 2'891m hohen Vulkan Merpati, der uns mit einer weissen Wolkenkappe begrüsst. Wi-Fi gibt es auch, aber nur in der Lobby. Der Preis von Rupien 225‘000, (= € 19), mit Morgenessen, ist für uns OK.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 100  Vom Panorama-Park im Westen
von Bukittinggi, geniessen wir die
Aussicht auf den Sianok Canyon .....
 101  ..... mit seinen
bizarren Felsformationen .....
102   ..... und den friedlichen
Affenfamilien, die dort leben
 
„Allahu Akhbar“ tönt es plötzlich ohrenbetäubend vom Lautsprecher der uns gegenüber thronenden grünen Moschee, die das Stadtbild dominiert. Noch wissen wir nicht, dass es nicht nur beim üblichen fünfmaligen Aufruf zum Gebet bleiben wird, sondern dass in derselben unglaublichen Lautstärke auch die ganze Predigt (oder was es auch immer sein mag) übertragen wird und dies mehrmals am Tag. Es gibt nicht viele Momente, wo der Lautsprecher stumm bleibt, und es beginnt schon um vier Uhr in der früh, wo wir regelmässig aus dem Tiefschlaf gerissen werden. Man kann nicht entfliehen, egal wo man in der Stadt wohnt. Einfach unglaublich! Es besteht kein Zweifel: Wir befinden uns an einem fundamentalistischeren Ort! In unseren vielen Reisejahren besuchten wir ja schon manchen moslemischen Staat, aber nirgendwo sonst auf der Welt haben wir so etwas erlebt. Auf der andern Seite, wenn sich der Tag zu Ende neigt und wir auf unserer Hotelterrasse sitzen und sich der Himmel über dem Vulkan Merpati rötlich verfärbt, so versetzen uns die Stimmen der Muezzin, die von nah und fern hallen, in eine derart fremdländische Stimmung, die in unserem Gedächtnis für immer haften bleiben wird.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 103  Liliana sitzt vor dem Stadtmuseum,
das 1934 im Minangkabau-Stil gebaut wurde.
Links und rechts sind Reisspeicher .....
 104  ….. eine ältere Frau sitzt
auf den Treppen, die zum
Innern des Museums führen
105  Minangkabau-Dächer ragen
in einen stürmischen Wolkenhimmel
 
Trotz der gestörten Nachtruhe bleiben wir unserem Hotel treu. Hier dürfen wir unseren LandCruiser in relativer Sicherheit stehen lassen, als wir am 6. Mai vom rund 90km südlicheren Padang nach Kuala Lumpur zu einem Visa-Run und Zahnarzt-Besuch fliegen. Wer hätte gedacht, dass es in Malaysias Hauptstadt zu einem netten Treffen mit gleichgesinnten Autoreisenden kommen wird: Mit den Schweizern Karin und Jan, Carmen und Martin und den Deutschen Silvie und Wim. Mit allen Partien hatten wir schon Email-Kontakt, und es ist richtig schön, sie nun persönlich kennen zu lernen. Wir teilen ja alle dieselbe Sehnsucht nach Abenteuern und den Wunsch, dem konventionellen Lebensstil zu entfliehen! Das Bier fliesst in Chinatown in Mengen beim Austausch von Reisegeschichten – und zufällig ist es gerade unser 41. Hochzeitstag! Fünf Tage später sind wir mit einem neuen zweimonatigen Indonesien-Visum zurück in Sumatra. Unser LandCruiser erwartet uns wohlbehalten auf dem Parkplatz des Benteng-Hotels, als wir vom Minibus aussteigen, der uns nach einer zweistündigen Fahrt für Rupien 35‘000 (= € 3) pro Person vom Flugplatz in Padang nach Bukittinggi zurück geführt hat.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 106  Eine senkrechte Felswand, ein
leuchtendes Reisfeld, majestätische Palmen
und ein traditionelles Minangkabau-Haus –
einer der schönsten Flecken in der Harau
Schlucht, 55km östlich von Bukittinggi gelegen
 107  Ein Wasserfall stürzt
über die senkrechte 100m
hohe Felswand der
Harau Schlucht ins Tal
108  Zwei Burschen marschieren quer
über das Reisfeld zum „Lembah Harau
Echo Homestay“, die direkt am
Fusse des Felsens liegt
 
Das Hotel selbst ist eine gute Wahl: Nur durch ein paar Steintreppen sind wir zu Fuss sofort im Stadtzentrum, mitten im lebhaften Treiben und erfreuen uns an den nostalgischen Pferdekutschen und dem Klappern der Pferdehufe, am exotischen Bazar, wo das Angebot vor allem an Kleidern überquillt und am Clocktower, dem Merkmal der Stadt. Sogar der eindrucksvolle Sianok-Canyon am Südende ist nicht weit weg, wo uns im Panorama-Park friedliche Affenfamilien Gesellschaft leisten. An gemütlichen Beizlein, die uns für wenig Geld mit einheimischen, aber auch westlichen Speisen verwöhnen, fehlt es auch nicht. Mal essen wir im Cafe Canyon, mal im Bedudal, mal im Apache, mal im Turret. Durchschnittlich bezahlen wir für zwei Mittagessen zwischen € 6 und 8, zwei grosse Flaschen Bintang-Bier inbegriffen, wobei eine Flasche allein zwischen 24'000 und 30'000 Rupien (= € 2-2.70) kostet, was teurer ist als praktisch jedes Menü. Es kann schon vorkommen, dass nach der Essens-Bestellung der Boy auf sein Moped steigt, um einkaufen zu gehen. Mal kommt er mit einem Sack Kartoffeln, mal mit einer Ananas, mal mit Gemüse zurück – ja nachdem, was er für die Zubereitung unseres Mittagsmahls braucht. Die Wartezeit kann deshalb ohne weiteres eine Stunde dauern. Aber sind wir nicht in den Ferien?
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 109  Eine Reisbäuerin macht
eine wohlverdiente Arbeitspause .....
 110  …..eine andere Bauersfrau
karrt ihre Utensilien zum Reisfeld .....
111  ..... eine weitere Frau verkauft
vor ihrem Haus „Energiespender“
 
Die Minangkabau – ein Volk, dem grosser Intellekt nachgesagt wird und die strenge Moslem sind – bilden noch eine der wenigen existierenden matrilinealen Gesellschaften auf der Welt, d.h. wo Eigentum und Reichtum durch die mütterliche Linie vererbt und übertragen werden. Ihre traditionellen Häuser sind aus Holz gebaut, mit mehreren schwungvoll hoch nach oben gebogenen Giebeln. Man sagt, dass diese Form von Büffel-Hörnern inspiriert wurde, die in ihrer Kultur eine grosse Rolle spielen. Wir bewundern sie an Häusern, Moscheen, ja sogar an Tankstellen. Am eindrücklichsten sind aber die unwahrscheinlich kunstvollen Schnitzwerke im feinsten Detail, die ganze Aussenfassaden in bunten Mustern verzieren. Das Museum in Bukittinggi, 1934 im Minangkabau-Stil nachgebaut, gibt uns eine kleine Vorahnung auf diesen kulturellen Schatz, auf dessen Suche wir uns anderntags gespannt ins Minang-Hochland aufmachen. Auf schmalen, aber erstaunlich guten Teerstrassen – bis jetzt die best unterhaltenen auf Sumatra – zuckeln wir friedlich entlang der allgegenwärtigen Teppiche leuchtender Reisefelder hügelauf und hügelab durch das fruchtbare Hochland. Entlang der Strasse sind Reis und Nelken auf Matten zum Trocknen an der Sonne ausgelegt; der würzige Duft der Nelken erfüllt die Luft. Auf den Feldern wird geerntet und zum Teil mit Wasserbüffeln auf altherkömmliche Weise wieder neu gepflügt. Ab und zu begegnet uns eine Frau, die mit einem Korb oder einem Eimer auf dem Kopf heimwärts läuft – Erinnerungen an Afrika tauchen auf.
 
 
 
 
 
 
 112  Zwischen dem Dorf Harau und
der Stadt Payakumbuh sticht dieser
palastartige Bau zwischen Palmen
und Reisfeldern ins Auge
 113  Östlich von Bukittinggi wächst
Maniok und wird entlang der
Strasse zum Trocknen ausgelegt
114  Auch diese Moschee in
Payakumbuh weist einen Hauch
der Minangkabau-Architektur auf,
zumindest in ihrem „Dom“
 
Es ist nicht immer einfach, die Dörfer zu finden, die der Lonely Planet Führer empfiehlt. Mangels Wegweisern verfahren uns auch schon mal, doch am Ende stehen wir immer voller Bewunderung vor diesen einzigartigen Kulturbauten. In Silinduang Bulan bei Batusangkar gibt es leider von den königlichen Palästen nicht mehr viel zu bewundern – nur den zurzeit noch in Konstruktion befindlichen neuen Königspalast, der den ursprünglichen ersetzt, welcher am 27. Februar 2007 durch einen Blitz abbrannte. Unglaublicherweise ist am 21. März dieses Jahres auch der unweit daneben stehende Palast der Königin einem Feuer zum Opfer gefallen. Jetzt steht nur noch die Ruine. Doch die zwei überlebenden Reisspeicher sind immer noch Zeuge ihres einstigen Glanzes. Uns bezaubern aber vor allem die handvoll kleiner Juwele, die wir in verschiedenen kleinen Dörfern, versteckt zwischen den normalen Gebäuden, entdecken. Sogar Emil, der nicht so schnell in Begeisterung verfällt wie ich und nicht alles so „hochstilisiert“ wie ich (Emils Aussage!), greift auch wacker zur Kamera! Er ist es denn auch, der unbedingt noch den Ort Belimbing aufsuchen will, auf halben Weg zwischen Batusangkar und dem Singkarak-See gelegen, wo noch die grösste Konzentration von 300 Jahre alten Bauten stehen soll, allerdings schon in unterschiedlich abbröckelndem Zustand. Dachten wir, dass wir diese ebenso reichlich dekoriert antreffen wie die vorherigen, so täuschen wir uns gewaltig. Es sind nur einfache, unverzierte Holzkonstruktionen. Ihr Reiz liegt jedoch in ihrer Einfachheit und der ländlichen Umgebung mit davor weidenden Kühen und Kälbern.
 
 
 
 
 
 
 115  Die traditionelle “Surau Nagari”
– ein islamisches Männerhaus – ist
gänzlich aus Holz gebaut und steht
im Dorf Batipuh bei Padangpanjang,
südlich von Bukittinggi
 116  Ein wunderschön dekoriertes
Haus im traditionellen Minangkabau-
Stil in Batusangkar, der Hauptstadt
des früheren Königreichs Minangkabau
in der Tanah Datar Gegend .....
117  ….. Nahaufnahme –
eine wahre Pracht!
 
Es ist der strahlendste und klarste Tag, seit wir uns im Land der Minangkabau Bukittinggi als Basis für unsere Erkundungen ausgewählt haben und uns zum 38km entfernten Maninjau See, einem perfekt geformten Kratersee, aufmachen. Auf unserer Karte ist ein Aussichtspunkt eingezeichnet, genannt „Puncak Lawang“, rund 6km nördlich des Dorfes Matur gelegen, der in keinem unserer Reiseführer vermerkt ist. Den steuern wir als erstes an. Zwar müssen wir uns irgendwann auch hier wieder durchfragen. Jedoch wegen des dort praktizierten Gleitschirmfliegens bekannt, erhalten wir für einmal auf Anhieb die richtige Wegbeschreibung, was nicht immer der Fall ist! Es ist nach 10 Uhr, als wir unseren LandCruiser auf 1'000m Höhe auf dem kleinen Waldparkplatz abstellen und die paar Steintreppen zum Aussichtspunkt hoch steigen. Was für ein zauberhafter Anblick. Die Seeoberfläche liegt unbewegt vor uns. Kraterrand und Wolken spiegeln sich darin, immer wieder in neuen bizarren Formen. Ein Gefühl kompletter Ruhe erfasst uns. Zur Steigerung tanzen gelbe Libellen über unseren Köpfen. Was für ein kostbarer Augenblick!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 118  Die Ruine des „Königin-Palasts“
(Pagaruyung) in Silinduang Bulan bei Batu-
sangkar, die im 21.3.2010 einem Brand
zum Opfer gefallen ist. Die zwei wunder-
schönen Reisspeicher überlebten. Der
„Königspalast“ (Basa Pagaruyung), der
nur wenige hundert Meter entfernt stand,
brannte am 27.2.2007 durch einen Blitz-
schlag ab und wird z.Zt. wieder aufgebaut
 119  Traditioneller und
moderner Baustil in Silinduang
Bulan bei Batusangkar
120  Der neue monumentale
„Köningspalast“ in Silinduang Bulan
bei Batusangkar ist immer noch in
Konstruktion, nachdem der alte am
27.2.2007 von einem Blitz getroffen
wurde und bis auf die
Grundmauern abbrannte
 
44 Serpentinen, begleitet vom Blick neugieriger Affen am Strassenrand, bringen uns dann runter zum 460m über dem Meeresspiegel gelegenen See und zum friedlichen Dorf Maninjau, wo Fischzucht betrieben wird. Anfangs 2007 verendeten 7‘000 Tonnen Fische. Einige geben dem Austreten von Schwefel aus den heissen Unterwasserquellen die Schuld, andere der Überproduktion der 15‘000 Fischfarmen rund um den 100km² umfassenden See. Die Strasse, die den See umrundet, ist einspurig und schmal. Kommt ein anderes Fahrzeug entgegen, ist das Kreuzungsmanöver immer eine heikle Sache. Emil weiss, wie breit unser Auto ist, aber weiss der andere Fahrer auch, wie breit seines ist? Die Hitze nimmt stetig zu und wir sind bereit für unser Mittags-Picknick, finden aber keinen Zugang zum See, zumindest nicht mit unserem Auto. Fusspfade durch die Reisfelder, die breitflächig das Ufer einnehmen, gibt es jedoch genügend. Wie in TukTuk am Toba-See ist es auch hier offensichtlich, dass das Touristengeschäft zurzeit brach liegt. Ausser zwei Backpackern, die durch ein Feld zu einer preiswerten Absteige marschieren, gibt es keine Anzeichen von Tourismus.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 121  In kleinen Dörfern entdecken
wir ab und zu weitere kleine Juwele
der Minangkabau-Kultur .....
 122  ….. schönes Detail
des traditionellen Heims
123  Emil lässt sich vor einem weiteren
der traditionellen Minangkabau-Häuser
ablichten, auch wieder bei Batusangkar
 
Nachdem wir keinen geeigneten Picknickplatz finden, machen wir uns Mitte Nachmittag bereits wieder auf den Rückweg, diesmal hoch durch dieselben 44 Spitzkehren. Nur läuft es nicht so sanft ab wie beim Abstieg. Vor einer Haarnadelkurve beginnt unser LandCruiser plötzlich zu stottern, und dann stirbt der Motor ganz ab – natürlich am ungünstigsten Ort. Schon seit längerem bemerkten wir, dass die aus den USA nach Amerikanisch Samoa eingeflogenen und dort installierten neuen Benzinpumpen – eigentlich für Flugzeuge gedacht – hin und wieder wie verrückt arbeiten. Sind sie zu schwach? In nicht gerade bester Laune legt sich Emil unters Auto, um Benzinschläuche und elektrische Leitungen zu kontrollieren. „Der Benzinfilter ist leer, er kriegt kein oder nicht genügend Benzin, oder im Vergaser sind infolge der Hitze zu viele Luftblasen“ stellt er fest. Nachdem er die Benzinleitungen entlüftete und den Vergaser abkühlte, schnurrt der Motor wieder zufrieden, aber nur für einige weitere Kehren. Dann üben wir dasselbe mühevolle Spiel nochmals von vorne. Daher sind wir mehr als glücklich, als wir alsdann die Anhöhe pannenlos erreichen und gleich gegenüber dem Hotel Nuansa auch einen guten Platz finden, wo wir endlich unser verspätetes Picknick nachholen können.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 124  Ein weiteres Beispiel eines
Minangkabau-Hauses in Batusangkar
mit seinem kunstvoll geschnitzten Äussern
 125  Wer führt wen spazieren?
126  Im Dorf Belimbing, das etwa
zwischen Batusangkar und dem
Singkarak-See liegt, steht die grösste
Konzentration an Minangkabau Bauten,
die „mehr oder weniger“ überlebten
 
Das kalte Bier von unserem Autokühlschrank läuft nach all der Aufregung wie Champagner durch unsere ausgetrockneten Kehlen, und Hühnerwurst und Brot, bestrichen mit pikanter Mayonnaise, beruhigen unsere nervösen Mägen. Ein schwarzer Hund, blind auf einem Auge, hockt geduldig vor unserer offenen Autotür und verfolgt so gut er kann jeden unserer Bissen. Wer bringt es übers Herz, ihm nicht auch etwas davon abzugeben? Ein Tropenregen vertreibt ihn letztlich, und uns bringt er angenehme Abkühlung. Dann fahren wir nach Bukittinggi zurück. Auf dem Weg geschieht dann das zweite Malheur: Bei einem der Ausweichmanöver landen wir im unbefestigten weichen Seitenstreifen und graben uns hoffnungslos ein. Trotz Zuschaltung des 4x4 geht nichts mehr – wir hocken fest. Im Nu versammelt sich eine Menschentraube um uns herum, Mopeds stoppen – genau wie in Indien! Aber wir bieten ihnen nur ein kurzes Schauspiel. Kurzerhand greifen wir zur Schaufel – keiner von uns erinnert sich daran, wann sie zum letzten Mal zum Einsatz kam, aber es sind Ewigkeiten her – und mit Leichtigkeit schaufeln wir uns frei. Dann sehnen wir uns nur noch nach einem: Einer erfrischenden Dusche.
 
 
 
 
 
 
 127  Seeufer des friedlichen Danau
(= See) Singkarak in Ombilin, wo
wir unsere Mittagsrast halten
 128  Der Rauch von abgeernteten
Reisfeld-Feuern steigt überall in die
Luft and hinterlässt alles im Dunst
129  Bergdorf Sungai Landia zwischen
Bukittinggi und Manijau, wo – wie
überall – die Moschee dominiert
 
Auf den Harau-Canyon – 55km nordöstlich von Bukittinggi gelegen – hegen wir anderntags grosse Erwartungen und können es kaum erwarten, dem ewigen Stadtlärm zu entrinnen und von den Schönheiten der Natur umgeben zu sein. Schon zu Beginn der Schlucht staunen wir, als die senkrecht himmelwärts ragende 100m hohe rötliche Felswand vor uns auftaucht, wo sich sanfte Wasserfälle ins fruchtbare, mit Reisfeldern und Palmen bepflanzte Tal drängen. Je weiter wir in die immer enger werdende Schlucht fahren, desto eindrücklicher wird es. Am Morgen haben wir im Benteng Stadthotel ausgecheckt und planen, ein paar Tage hier im Canyon im „Lembah Harau Echo Homestay“ zu bleiben. Jenseits eines friedlich dahinfliessenden Flüsschens auf einem kleinen Hügel gelegen, versteckt durch Bäume und Sträucher, stehen die Holzbungalows direkt am Fusse der senkrechten Canyonwand. Sie verschmelzen dermassen mit der Natur, dass wir erst prompt daran vorbeifahren. Erreicht werden sie nur durch eine schmale Fussgängerbrücke. Ja, und genau diese kleine Brücke ist es, die all unsere schönen Pläne zunichte macht. Wo parkieren wir unseren LandCruiser? Ihn auf dem kleinen Parkplatz am Fluss nächtelang unbewacht direkt neben der Strasse stehen zu lassen, ist uns eindeutig zu riskant. Und eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Wirklich schade, wir hatten uns so darauf gefreut! Als wir später feststellen, dass im Hotel gerade ein Studenten-Seminar stattfindet, nehmen wir es als kleinen Trost, dass es nur ein Tagesausflug geworden ist. Vielleicht wäre es mit der gesuchten Ruhe doch nicht so toll gewesen. Enttäuscht fahren wieder in unser Stadthotel mit dem Muezzin zurück.
 
 
 
 
 
 
 130  Friedliche Stimmung des Dorfes
Sungai Landia, von Reisfeldern und
Wald umgeben. Es liegt auf der Strecke
von Bukittinggi zum Manijau-See
 131  Harte Arbeit für Mensch
und Tier (Wasserbüffel):
Pflügen eines Reisfelds
132  Auch in ländlicher Umgebung
sind Moscheen monumental gebaut:
Auf dem Weg von Matur zum
Danau Maninjau (= Maninjau-See)
 
Eines Mittags, als wir uns im Canyon Cafe mit einem Chicken Steak und Gemüsetaco verköstigen, wird gegenüber gerade ein Festzelt für eine traditionelle Minangkabau Hochzeit errichtet. Nur ein Katzensprung von unserem Hotel entfernt, versuche ich am andern Morgen, einen Blick der Festlichkeiten zu erhaschen. Während ich das fein drappierte Festzelt fotografiere, bittet mich ein Mann, der sich als der Bruder des Bräutigams (oder war es der Braut?) vorstellt, einzutreten. Etwas zögernd folge ich ihm. Er führt mich direkt zu einem länglichen Raum, der prachtvoll dekoriert ist. In der Mitte steht eine Festtagstafel mit unzähligen kleinen Schälchen, gefüllt mit verschiedenen Speisen. Am Kopf, vor dem Thron, sitzt der Bräutigam, auf beiden Seiten scharen sich seine männlichen Verwandten. Sie beten, dann werden die Speisen herumgereicht. Es ist eine reine Männer-Zeremonie. Wann wird wohl die Braut erscheinen? “In einer guten Stunde“, klärt mich die junge Frau auf, die sich rührend um mich kümmert. Inzwischen hat sie mir schon ihre halbe Verwandtschaft – ihre Mutter, Schwestern, Onkel, Tanten und Kusinen vorgestellt. Als ich dann nach einer Stunde zurückkehre, sitzen die Neuvermählten bereits auf dem goldenen Thron. Ich kann meine Augen kaum von ihnen reissen – sie sehen in ihrer „königlichen“ Ausstattung wirklich zauberhaft aus.
 
 
 
 
 
 
 133  Vom Aussichtspunkt „Puncak
Lawang”, 6 km nördlich des Dorfes
Matur, offenbart sich uns der perfekt
geformte Maninjau-Kratersee in seiner
vollen Schönheit. Der Hügel ist auch
zum Gleitschirmfliegen bekannt
 134  Am nordöstlichen Hang des
Maninjau-Kratersees entdecken
wir vom „Puncak Lawang“-
Aussichtspunkt diese idyllische kleine
Moschee zwischen Reisterrassen
135  Liliana geniesst die wunderbare
Stimmung, die über dem Maninjau
Kratersee liegt – für einmal keine
rasenden und ohrenbetäubenden
Motorräder
 
Die Braut trägt eine goldene Krone und sieht damit wirklich wie eine Königin aus. Erinnerungen an die 1001-Nacht-Hochzeit einer Prinzessin in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten werden wach. Die ersten Gratulanten nähern sie gruppenweise, und lassen sich alsdann mit dem Brautpaar fotografieren. Auch ich werde dazu ermuntert, nachdem ich den Neuvermählten vorgestellt worden bin. Später ist es mir unmöglich, die Einladung zum Essen abzulehnen, und ich bin auch echt gerührt, als man mir sogar ein kleines Geschenk überreicht – ein blaues Gesichtstuch, kunstvoll zusammengefaltet und in eine hübsche durchsichtige Box verpackt. Als die Musik in indonesisch üblicher ohrenbetäubender Lautsstärke beginnt – sie dauert dann bis Mitternacht an – verabschiede ich mich und bin über die mir zuteil gewordene Freundlichkeit sehr glücklich. Mit Emil, der sich bei soviel Aufmerksamkeit nie wohl fühlt und deshalb im Hotel geblieben ist, diskutiere ich, wie verrückt die Gegensätze in diesem Land doch sind: Auf der einen Seite wurde vor ein paar Tagen eine Verschwörung von Terroristen aufgedeckt, die an der kommenden Unabhängigkeitsfeier im August nebst dem Präsidenten auch zum Ziel hatte, möglichst viele „ungläubige“ weisse Westerner in Hotels in Jakarta zu ermorden. Und auf der andern Seite wurde ich vom selben Volk so unglaublich gastfreundlich und bevorzugt behandelt, weil ich eben eine „Westliche“ bin.
 
 
 
 
 
 
 136  Das Dorf Maninjau liegt
pittoresk am Ostufer des
gleichnamigen Kratersees
 137  Mutet uns fast ein bisschen
fernöstlich an: Blick von einer der
44 Serpentinen, die zum Maninjau
Kratersee hinunter führen
138  Fischzucht am Maninjau See. Zu
Beginn 2007 verendeten 7’000 Tonnen
Fische; einige geben die Schuld dem
Austreten von Schwefel aus den heissen
Unterwasserquellen, andere beschuldigen
eine Überproduktion der 15'000 Fisch-
farmen rund um den 100 km² 'grossen' See
 
Die Tage in Bukittinggi vergehen wie im Flug. Bald verbleibt uns nur noch ein Monat bis zum Ablaufen unseres zweiten zweimonatigen Visums, und wir wissen immer noch nicht, wie es weitergeht, ob der geplante Grenzübertritt von indonesisch Papua nach Papua Neuguinea bewilligt wird. Tagtäglich erwarten wir die entscheidende Antwort, und tagtäglich werden wir enttäuscht. Im Moment ist es für uns deshalb sehr wichtig, am Ball zu bleiben, und dazu sind wir aufs Internet angewiesen. Warum also weiterziehen und nicht hier im frischeren Höhenklima Bukittinggi’s mit all den Hotel-Bequemlichkeiten ausharren, bis wir grünes Licht kriegen? Nachdem wir vor kurzem auch noch eine kleine Konditorei an „unserer“ Strasse entdeckten, die unter anderem auch wunderbare Schwarzwälder- und Sacher-Torten anbietet, ist es beschlossene Sache: Wir warten weiterhin hier – soll halt der Lautsprecher vom Minarett lärmen! Das Verhalten sei typisch für PNG, erfahren wir: Seit wir im Dezember letzten Jahres beim PNG-Touristenministerium den Antrag für die notwendigen Ausnahmebewilligungen für diesen Grenzübergang stellten, erhielten wir von dessen CEO 15 Emails, 8 davon mit der Zusicherung, dass er die originalen Zusprachen vorliegen habe und uns davon Kopien zusenden werde. Aber Tag um Tag, Woche um Woche verstrich und bis heute haben wir immer noch nichts Konkretes in Händen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 139  Schlingpflanzen bedecken ganze
Palmblätter im tropischen Wald
beim Sianok Canyon bei Bukittinggi
 140  Ein neugieriger Geselle,
den man vielerorts am
Strassenrand antrifft: Makaken
141  Natur pur in ihrer vollen Pracht
 
Was sollen wir nun tun? Als dann Peter Vincent, CEO des Touristenministeriums, jedoch in einer neuerlichen Email erwähnt, er werde allenfalls persönlich an die Jayapura-/Vanimo-Grenze fliegen, um uns bei den Zollformalitäten behilflich zu sein, vertrauen wir seinen wiederholten Zusicherungen und beginnen frohen Mutes mit den Verschiffungsabklärungen von Nord-Sulawesi nach West-Papua. Es stellt sich dann leider heraus, dass die Fracht für diese Verschiebung unser Budget bei weitem sprengen würde. Wir finden nur zwei Schiffe, die diese Route regelmässig bedienen: Entweder die staatliche Pelni-Linie oder ein Containerfrachter. Beide nehmen nur in Container verpackte Fahrzeuge an. Während Pelni US$2‘700 verlangt, ist der US$600 billigere Frachter auch immer noch zu teuer und zeitlich fragwürdig. Dazu kämen noch weitere US$900 auf der Papua Neuguinea-Seite, entweder von Vanimo nach Madang oder nach Lae. Es gibt deshalb für uns nur eine Lösung: Umdisponieren und von Jakarta aus direkt nach Lae in PNG zu verschiffen. Wir informieren das PNG Touristenministerium, welches wiederum diese weniger komplizierte Eingangslösung begrüsst, und buchen die Verladung auf den 7. Juli und unsere Flüge nach Port Moresby via Malaysia und Singapur auf den 8. Juli – leider etwas voreilig, wie es sich im nachhinein zeigt: Denn trotz all der Versprechungen, die sich seit anfangs Februar dahin ziehen, sind wir auch am 1. Juni immer noch ohne die erforderlichen Bewilligungskopien. Langsam schleicht sich bei uns der Gedanke ein, dass vielleicht doch nicht alles im Butter ist.
 
 
 
 
 
 
 142  Dieses reichverzierte Minangkabau-
Haus steht in Koto Gadang, einem Silber-
schmied-Dorf 10 km ausserhalb Bukittinggi’s
 143  „Hello! – Hello Mister!“ tönt
es ausdauernd aus dem Hausfenster
144  Wandgestaltung am Ostufer des
Maninjau-Sees, der die Kultur des
Minangkabau-Volkes darstellt
 
Sind die Gutsprachen eventuell doch nicht vorhanden, oder erwartet man von uns allenfalls ein Schmiergeld? Oder noch schlimmer: Ist unser PNG-Traum gar schon ausgeträumt? Gedanken über Gedanken schwirren durch unsere Köpfe Aber wir geben noch nicht auf, sondern handeln nach dem Prinzip: „Du gibst nicht auf, weil Du verlierst, sondern Du verlierst, weil Du aufgibst!“. Wir schreiben Emails um Emails, schöpfen alle Möglichkeiten aus, greifen nach jedem Strohhalm. Dann kommt ein neuer Hoffnungsschimmer. „Wir wollen Euch helfen“, schreibt uns der PNG-Agent der Swire Schifffahrtslinie in Port Moresby. In der folgenden Woche warten wir jeden Tag gespannt auf eine Antwort. Am 11. Juni trifft sie ein – leider nicht, was wir uns erhofft haben und unsere Moral sinkt so ziemlich auf den Nullpunkt: Man konnte mit dem CEO des Touristenministeriums keinen Kontakt herstellen. „The difficulties are blown out of proportion“ – „die Schwierigkeiten sind ausser Kontrolle geraten“, heisst es, was uns noch den Rest gibt. Was nun? Zumindest will man sich noch weiterhin um eine Lösung bemühen. Dies ist der aktuelle Stand am 12. Juni, genau 25 Tage vor der geplanten Containerisierung unseres LandCruisers in Jakarta. Aber der Mensch lebt ja von der Hoffnung. So brechen wir trotz der Ungewissheit unsere Zelte in Bukittinggi – dem Herzen der Minangkabau Kultur – ab und machen uns auf den Weg in Richtung südliches Sumatra und in die Höhle des Löwen, nach Java und Jakarta.
 
 
 
 
 
 
 145  Ein Festzelt wurde entlang der
Strasse neben dem „Orchid“-Hotel
in Bukittinggi aufgestellt, wo eine
traditionelle Minangkabau-
Hochzeit stattfindet …..
 146  ..... wo Liliana dem traditionell
und „königlich“ ausgestatteten
Brautpaar vorgestellt wird und sich
zusammen fotografieren lassen darf .....
147   ..... und wo vorgängig eine
traditionelle Männerzusammenkunft
stattfindet. Am Kopf der Speisetafel
sitzt der Bräutigam; auf beide Seiten
gesellen sich seine Verwandten dazu
 
Zur vorangehenden Webseite: Bilder von unserer 2010-Indonesien-Reise in Nord-Sumatra im März und April 2010
Zur Fortsetzung: Bilder von unserer 2010-Indonesien-Reise im Südlichen Sumatra im Juni 2010
Weitere Webseiten aus Borneo – bevor wir Indonesien zum 1.x in 2006 erreichten: